Unravel Review

Der neue Puzzle-Plattformer rund um ein Wollmännchen bei uns im Test.

Teaser Unravel

Ein Wollknäuel auf Reisen

Wenn man so zurückblickt, dann gab es in den letzten Jahren doch eine ganze Menge Spiele, die klassisches Jump & Run mit Puzzle-Elementen verknüpft haben und darum muss man inzwischen schon (fast) alles richtig machen, wenn man in dieser speziellen Nische einen Hit landen will. Nach unzähligen Indies ist es nun der bekannte Publisher Electronic Arts, der sich an einem solchen Titel versucht. Doch wer dachte, dass der Konzern dabei nur nach Chekliste vorgeht, der irrt, denn Unravel hat erstaunlich viel Charme.

Im Vordergrund steht hier ein Wollmännchen namens Yarny, das sich auf eine gefahrvolle Reise durch Skandinavien begibt und an die liebenswerten Figuren aus Little Big Planet oder Kirby und das magische Garn erinnert. Doch nicht nur beim Charakter-Design gibt es Parallelen, auch spielerisch sind sich Unravel und MediaMolecules Plattformer recht nah. In beiden Spielen seid ihr vornehmlich damit beschäftigt, rennend, hüpfend und schwingend Hindernisse zu überwinden und Objekte zu ziehen oder zu schieben.

Wolle als ultimatives Werkzeug

Während sich Sackboy und seine Freunde jedoch oft auf Gimmicks verlassen, hat Yarny nur sich selbst als Werkzeug zu bieten. Er besteht aus einem einzigen langen Wollfaden und den könnt ihr nutzen, um mit der Umwelt zu interagieren und kleinere Rätsel zu lösen. So könnt ihr die Wolle zum Beispiel an bestimmten Stellen festmachen, um Rampen oder Sprungbretter zu erschaffen oder euch an der Wolle auf eine Plattform ziehen. Diese Puzzles sind zwar selten so fordernd wie etwa in Braid oder Limbo, aber sie halten euch die meiste Zeit bei Laune. Leider versäumten die Entwickler es, die Formel über das ganze Spiel hinweg durch neue Elemente frisch zu halten, sodass sich die Mechanik zum Ende hin etwas abnutzt.

Was Unravel aber in spielerischer Hinsicht vielleicht fehlen mag, das will man mit der Inszenierung wieder ausgleichen. Man merkt dem Spiel schnell an, dass die Entwickler mit einem deutlich komfortableren Budget ausgestattet waren, als es die meisten Indies sind. Das zeigt sich vor allem in den aufwendig gestalteten Umgebungen, die euch immer wieder das Gefühl geben, tatsächlich mit dem kleinen Yarny durch Vorgärten, Wälder und Co. zu streifen. Doch was zunächst wie eine vergnügliche Reise anmutet, entwickelt sich mehr und mehr zu einem trübseligen Marsch, denn Yarny wird Zeuge trauriger Ereignisse, die den Spieler berühren sollen. Das funktioniert zwar nur bedingt, aber es ist dennoch erstaunlich, wie gut die Entwickler ihre Geschichte erzählen, ohne dabei auf die üblichen Stilmittel wie Dialoge und dergleichen zurückzugreifen.

Am Ende der recht kurzen Reise gibt es sicher so manche Szene, an die ihr zurückdenken werdet, aber leider können sowohl die Puzzle-Mechaniken als auch die emotionalen Szenen meist nicht ganz mit der liebenswerten Aufmachung mithalten.

"


Unravel
Pro
- grafisch toll umgesetzte Umgebungen
- ambitionierte Inszenierung
Contra
- abwechslungsarm
- emotionale Szenen zünden nicht recht
3 / 5