Total War: Shogun 2

Total War: Shogun 2 Review

Review

Wehret den Anfängen

Im Jahre 2000 veröffentlichte das Entwicklerstudio Creative Assembly einen Titel mit dem Namen Shogun: Total War und legte damit den Grundstein für eine der wichtigsten Strategie-Serien der Spielegeschichte. War damals das mittelalterliche Japan der Schauplatz des Geschehens, wandte sich die Serie bald schon anderen Epochen zu: das Römische Reich, die mittelalterliche Welt Europas bis hin zur Kolonialzeit und den Napoleonischen Kriegen. Doch mit Total War: Shogun 2 kehren die Entwickler nun wieder nach Japan zurück und legen den Kampf um das Shogunat in einem Remake neu auf.


Konnichiwa

Das Japan des 16. Jahrhunderts ist geprägt von feudalen Strukturen, in denen zahlreiche Clans um die Vorherrschaft im Land kämpfen. Jede Gruppierung strebt danach, den eigenen Machtbereich auszudehnen und das Shogunat zu erlangen, um Führer des Reiches zu werden. Dementsprechend entscheidet ihr euch zu Beginn der Kampagne zunächst einmal für einen der insgesamt neun zur Verfügung stehenden Clans. Dies bestimmt nicht nur die Startposition, da jede Provinz des Landes von unterschiedlichen Fraktionen geführt wird, sondern bringt auch einige Besonderheiten mit sich: Jeder Clan hat spezielle Vorteile, die euch im Laufe des Spiels zugutekommen können. Meistens bedeutet das, dass eine Fraktion auf eine bestimmte Waffengattung oder einen bestimmten Truppentyp spezialisiert ist und damit Kampfboni erhält oder Elitekrieger ausbilden kann. Aber auch verbesserter Handel oder geschicktere Diplomatiebemühungen sind als Boni möglich.

Zur Auswahl stehen euch folgende Clans: Chosakabe, Shimazu, Hojo, Mori, Oda, Date, Takeda, Tokugawa und Uesugi. Entscheidet ihr euch für die Chosokabe, so könnt ihr besonders talentierte Bogenschützen ausbilden und dürft euch über einen erhöhten Farmertrag freuen. Schlagt ihr euch dagegen auf die Seite der Date, so dürft ihr fortan spezielle No-Dachi-Samurai rekrutieren und bekommt im Gefecht einen Ansturmbonus. Und aufseiten der Mori könnt ihr die besten Schiffe im Spiel bauen und damit das Meer unter eure Kontrolle bringen.

Ist die Fraktionswahl getroffen, so müsst ihr euch noch entscheiden, ob ihr lieber eine lange oder eher eine kurze Kampagne spielen wollt. Der Unterschied liegt nicht nur in der Dauer selbst (die kurze Kampagne dauert bis zum Winter 1575, die lange dagegen bis 1600) sondern auch in den Siegbedingungen: Wer die kurze Variante wählt, muss bis zum Ende der Kampagne 25 Provinzen unter seine Kontrolle bringen; Spieler mit viel Ausdauer haben zwar 25 Jahre mehr Zeit, benötigen für den Sieg aber auch 40 Provinzen. Darüber hinaus müsst ihr, neben der Hauptstadt Kyoto, die immer unter eure Kontrolle sein muss, auch bestimmte Provinzen euer Eigen nennen, um den Sieg zu erringen. Welche Provinzen das im Einzelnen sind, hängt von der Fraktion ab.


Turn by Turn

Das Spielgeschehen von Total War: Shogun 2 unterteilt sich dabei in zwei Phasen: die rundenbasierende Strategie-Phase wird auf der sogenannten Kampagnenkarte ausgetragen. Diese zeigt ganz Japan, das in die einzelnen Provinzen unterteilt und zu Beginn der Karte noch weitgehend verhüllt ist. Neben euren eigenen und gegnerischen Einheiten seht ihr hier vor allem die großen Städte, Häfen und Produktionsbetriebe sowie natürliche Ressourcen.

Auf dieser Karte könnt ihr eure Spezialeinheiten und Armeen rekrutieren, sie an andere Orte schicken oder Angriffe durchführen lassen. Der Bewegungs- und Aktionsradius ist dabei eingeschränkt, da jede Einheit nur über ein bestimmtes Kontingent an Bewegungspunkten verfügt. Ist dieses aufgebraucht, so müsst ihr bis zum Beginn der nächsten Runde warten, bevor ihr erneut Befehle erteilen könnt. Auch die Verwaltung eurer Städte und Festungen findet auf der Kampagnenkarte statt. Sobald ihr eine Siedlung anwählt, könnt ihr über ein Menü Gebäude errichten bzw. ausbauen oder Einheiten rekrutieren, die dann zunächst einmal der Garnison zugeteilt werden.

Gleiches gilt auch für die zahlreichen Spezialeinheiten, die ihr in Total War: Shogun 2 für eure Zwecke einsetzen könnt: Mit Ninjas, Geishas und Metsuke könnt ihr spezielle Aktionen wie Attentate, Spionagemissionen oder das Ausschalten feindlicher Agenten durchführen, was euch aber jedes Mal Geld kostet. Zudem besteht bei jeder Mission die Gefahr, dass eure Einheit entdeckt und hingerichtet wird.


Let's get real (time)

Begegnet eine eurer Armeen einem Trupp feindlicher Soldaten, so kommt der zweite Teil des Spieles zum Tragen: in den in Echtzeit ausgetragenen Taktikschlachten übernehmt ihr dann die direkte Kontrolle über eure Armee und führt sie in den Kampf. Abhängig davon, welche Einheiten eurer Armee angehören, seht ihr diese dann auch tatsächlich auf dem Schlachtfeld.

Zu Beginn jedes Kampfes könnt ihr zunächst einmal eure Truppen aufstellen. Dabei solltet ihr bereits jetzt daran denken, wie ihr eure Einheiten später nutzen wollt. Bogen-Ashigaru können zwar Feinde bereits aus der Ferne bekämpfen, sollten aber vor Nahkämpfern geschützt werden, weshalb sie sich nicht besonders gut an der vordersten Front der Schlachtaufstellung machen. Katana-Samurai dagegen gehören mit zu den besten Nahkampfeinheiten, weshalb sie im Zentrum des Gefechtes zu finden sein sollten. Und um plötzliche Flankenangriffe durch berittene Einheiten effektiv kontern zu können, solltet ihr stets einige Speerträger in der Hinterhand behalten.

Sind Formation und Aufstellung gewählt, beginnt die Schlacht: Nun könnt ihr Befehle wie das Vorrücken oder den Angriff geben und euren Einheiten dabei zuschauen, wie sie sich in die Schlacht stürzen. Dank der ausgezeichneten Grafik könnt ihr jedem einzelnen Soldaten dabei beobachten, wie er über das Feld marschiert, seine Waffe nutzt oder gar unter den Hieben feindlicher Soldaten fällt. Trotzdem solltet ihr stets den Überblick bewahren, denn es gilt, das Terrain geschickt zu nutzen und mögliche Manöver des Gegners rechtzeitig zu kontern. Dazu könnt ihr auch die Spezialfähigkeiten einiger Einheiten nutzen: Bogenschützen können beispielsweise ihre Pfeile entzünden und so die Moral des Gegners beeinträchtigen, während euer General umstehenden Truppen Mut einflößt und fliehende Soldaten wieder zusammentrommeln kann.

Hat eine Einheit zu viele Männer verloren oder wird sie durch plötzliche Flankenangriffe überrascht, sinkt ihre Moral bis zu dem Punkt, an dem sie die Flucht ergreift. Fliehen alle verbleibenden Truppen einer Armee, so hat diese die Schlacht verloren. Das führt dazu, dass Gefechte verloren gehen können, obwohl nicht alle Soldaten vernichtet wurden. Diesen Umstand solltet ihr euch zunutze machen; aber auch gleichzeitig im Hinterkopf behalten, damit euch nicht dasselbe Schicksal widerfährt.

Doch Gefechte werden nicht nur auf dem Schlachtfeld geführt: auch die Belagerung von Festungen kommt im Verlaufe der Kampagne des Öfteren vor. Ziel ist es hierbei, entweder alle Kontrollpunkte innerhalb der Festung einzunehmen oder aber alle Einheiten des Gegners zu vernichten. Die Verteidiger verschanzen sich dabei hinter Verteidigungsanlagen, die die Angreifer zunächst überwinden müssen. Je weiter die Festung ausgebaut ist, desto mehr Verteidigungsringe hat eine Anlage, was es den Angreifern entsprechend schwer macht. Im Gegenzug benötigt ihr in Total War: Shogun 2 nun nicht mehr zwangsläufig Belagerungswaffen, um eine solche Schlacht zu gewinnen. Zwar könnt ihr die Torhäuser in Brand stecken und euch so Zugang verschaffen. Eure Truppen können aber die Mauern auch genauso gut per Seil erklimmen. Damit müssen die Verteidiger nun deutlich mehr Raum verteidigen, da der Feind von allen Seiten angreifen kann, was die Belagerungen zu einer spannenden Angelegenheit macht.

Aber auch zu Wasser wird um die Vorherrschaft gekämpft: Treffen gegnerische Flotten aufeinander, werden auch hier die Kämpfe in Echtzeit ausgetragen. Diese funktionieren grundsätzlich ähnlich wie die Gefechte an Land. Die Schiffe sind aber im Gegensatz zu den Seegefechten in Total War: Empire nicht auf den Wind angewiesen. Stattdessen werden alle Schiffe durch Ruder angetrieben. Kommen sich die Flotten zu nahe, beginnen die Besatzungen automatisch mit dem Beschuss. Spezialfähigkeiten wie Brandpfeile können dabei Schiffe in Brand setzen und schwer beschädigen, wenngleich nicht alle Seeeinheiten diese Fähigkeit haben. Stattdessen sind schwere Kähne besser dafür geeignet, ihre Konkurrenten zu entern. Das führt dann zu Entergefechten, bei denen der Ausgang unter anderem auch von der Moral der Truppen abhängt.


Lernfähig

Für jeden Sieg erhalten eure Generäle Erfahrungspunkte, durch die sie langsam aber sicher im Rang aufsteigen. Dann können sie zusätzliche Fähigkeiten erlernen, neue Gefolgsleute bekommen oder seltene Gegenstände erwerben, die ihre Attribute verbessern. Apropos Erlernen: Die Erforschung von Technologien wird in Total War: Shogun 2 durch das Erlernen eines Talentbaums ersetzt. Dieser besteht aus dem Weg des Chi und dem Weg des Bushido: Letzterer beinhaltet militärische Künste, die eure Einheiten verbessern und euch neue Möglichkeiten im Kampf eröffnen. Die Chi-Künste sind dagegen vor allem für die zivile Nutzung gedacht. Sie erhöhen beispielsweise den Ertrag eurer Reisfelder oder machen die Aktionen der Geheimagenten effektiver.

All das macht Total War: Shogun 2 zu einem der besten Titel der Spielereihe. Wer auch nur im entferntesten etwas mit der fernöstlichen Kultur anfangen kann und eine Leidenschaft für gute Strategiespiele mit sich bringt, sollte im Kampf um das Shogunat mitmischen.