Rail Nation

Rail Nation Review

Review

Güterverkehr auf Zeitreise

Rail Nation ist browserbasierte Wirtschaftsstrategie vom Münchner Publisher Travian Games, die euch in das goldene Zeitalter des Bahnwesens zurückversetzt. Zu Beginn der Industrialisierung waren die dampfbetriebenen Ungetüme das Nonplusultra der Fortbewegung. Geschwindigkeit, Frachtraum und Zuverlässigkeit - die Eisenbahn ist immer noch das ideale Transportmittel für den Güterverkehr auf Land. Wie Rail Nation den Siegeszug des Schienenverkehrs einfängt und ob das Game selbst als Nonplusultra bezeichnet werden darf, erfahrt ihr hier.


Mit Volldampf durch die Pampa

Rail Nation kommt ohne Downloads aus und kann direkt im Browser gespielt werden. Grafisch müssen Genrefans durch die Browserbasis keine Abstriche erwarten, der Verkehrsmanager bietet detaillierte 3D-Optik - sowohl was die Züge, aber auch die Landstriche angeht, durch die sich die zahlreichen Modelle schlängeln.

Im allgemeinen Spielbetrieb blickt ihr aus einer abgewinkelten Vogelperspektive auf die weitläufige Landschaftskarte, die mit Dörfern, Städten und Produktionsstätten durchsetzt ist. Dazu kommen Felder, Wälder und Viehweiden, nur die Schienen werden Eisenbahn-Visionäre anfangs vermissen. Mit der Maus könnt ihr den gerade sichtbaren Ausschnitt verschieben. Dazu genügt schon ein Bewegen des Zeigers an den entsprechenden Bildschirmrand. Eingerahmt wird diese Draufsicht durch die Spielmenüs. Permanente Fenster könnt ihr bis zur nächsten Nutzung minimieren. So lässt sich die Liste eurer gerade aktiven Zugfahrten und ihrer Rentabilität nur bei Bedarf einblenden.

Infos und Meldungen lassen sich direkt am Objekt oder Ort eurer Wahl abrufen, so zeigt euch ein Klick auf eine Stadt die Einwohnerzahl und die Nachfrage nach Waren. Je nach Größe wollen die Städte bestimmte Güter in bestimmtem Umfang, färben sich die Balken für eine Ware rot, besteht dringender Bedarf. Wer Städte mit ihren jeweiligen Hauptwaren beliefert, verdient sich zusätzlich noch Prestige-Punkte, über die Rail Nation seine Unternehmer honoriert.


Kein Fahrplan für die Ewigkeit

Um den Güterverkehr anzukurbeln, trägt jeder Spieler zur Verbreitung der Bahn bei: Ihr seid eines der vielen Start-up-Firmen, die von Beginn an in das waghalsige Projekt investieren. Euer Unternehmen startet quasi bei null und ist ganz vorne mit dabei, wenn es um die Planung noch unerschlossener Strecken geht, das Erforschen noch unerprobter Antriebe und Transporttechnologien. Aber auch das Organisieren von Fahrplänen auf dem verlegten Schienennetz obliegt eurer Verantwortung - nur euer Geschick kann sicherstellen, dass die angeforderten Waren von Produktionsort A sicher und rechtzeitig am Lieferort B eintreffen. Ihr nehmt mehr und mehr Städte und umliegende Betriebe als Klienten auf, was zu immer anspruchsvollerem Koordinationsaufwand der Aufträge führt - Jeder Lieferverkehr zwischen entfernten Güterbahnhöfen will geplant sein, bei Preisschüben für bestimmte Waren gilt es schnell zu reagieren und Extra-Fahrten zu organisieren. Das Spiel überrascht zudem mit unvorhersehbaren Komplikationen: Gewitter machen den Loks zu schaffen, Streiks legen einen wichtigen Lieferbetrieb weitgehend lahm und in Kriegszeiten explodieren die Preise. Jede an das Schienennetz angebundene Stadt hat eine dynamische Wirtschaft und strapaziert eingespielte Fahrpläne regelmäßig mit Änderungswünschen. Geht man auf die Nachfrage ein und sorgt für volle Lager, wächst die Gemeinde und es öffnen sich neue Geschäftsfelder -es entsteht eine neue Eisengießerei oder eine Rinderfarm.


Der Knotenpunkt für Weichensteller

Der eigene Bahnhof und dessen Anbauten stellen euer Hauptquartier dar. Hier errichtet ihr weitere Einkommensquellen oder setzt neue Zugmaschinen und Waggontypen auf die Gleise. Einzelne Anlagen eures Bahnhofs wie Schienenhalle, Labor und Unterkünfte sind ausbaubar, der Gesamtkomplex verändert seine Erscheinung ständig, über die Epochen hinweg sogar radikal. Free2Play-User können dabei immer nur ein Gebäude gleichzeitig ausbauen, das parallele Ausbauen ist ein Beispiel für eine der Komfort-Funktionen, die zahlungswilligen Spielern vorbehalten bleibt. Einsteiger haben in ihrem Startbahnhof erst mal nur einen Zug, der sofort in Betrieb gehen kann. Mit jedem Level dürft ihr weitere Gleise verlegen, neue Standorte auf der Karte kommen so nach und nach in Reichweite. Durch erfolgreiches Wirtschaften steigt ihr auf und etabliert so eure Firma unter vielen schließlich als das Imperium, in dem alle Schienen zusammenlaufen.

Mit zunehmender Auslastung kommt man um eine stetige Verbesserung der Triebwagen nicht herum. Anfangs setzt ihr eure Bahnen noch unter Dampf, im späteren Spielverlauf wird auf Diesel umgesattelt oder es werden gleich ganze Strecken für E-Loks elektrifiziert. Im Laufe jeder Epoche investiert ihr in Forschung, um so Upgrades zu erspielen. Mit dem Bonus eines gut ausgestatteten Forschungslabors entwickelt ihr die neuen Zugmodelle noch effektiver. Die verschiedenen Eisenbahnen haben unterschiedliche Leistungswerte, so dass ein Umstieg dem Warenverkehr ordentlich auf die Sprünge helfen kann.


Eigenwillige Güter auf Reisen

Zugkraft, Beschleunigung, Geschwindigkeit und nicht zuletzt Zuverlässigkeit unterscheiden die einzelnen Modelle. So fahrt ihr mit der Dampflok 'Luchs' zwar langsamer als mit Vorgängermodellen, dafür nimmt sie schneller Fahrt auf und kann mehr Waggons ziehen. Grob gesehen unterscheiden sich die Züge in ihrer Eignung für Dauerbetrieb und Lang- oder Kurzstrecke. Alle Loks verschleißen mehr oder weniger schnell, was mit einem Geschwindigkeitsverlust einhergeht. Wie lange ihr mit der Instandsetzung wartet, ist eine Abwägung zwischen den Kosten und der wiedergewonnenen Geschwindigkeit und beispielshaft für viele der strategischen Entscheidungen, mit denen euch Rail Nation konfrontiert. Außerdem stellen die über 40 verschiedene Güter des Spiels unterschiedliche Ansprüche an die Behälter und Container, in denen sie sicher auf Reise gehen können. Lebensmittel sollen kühl bleiben, Kohle trocken, Rinder gesund - die Bandbreite zu transportierender Güter weitet sich im Spielverlauf langsam aus. Auch hier müssen neue Züge her.

Das Spiel führt euch an solche Feinheiten und Neuerungen schrittweise heran, so dass ihr die Eisenbahn von ihren Anfängen bis zur heutigen Moderne begleitet. Sechs Epochen werden im Spiel unterschieden und brechen in regelmäßigen Abständen global ein, jede mit eigenen Merkmalen und neuer Optik. Nach Anbruch der letzten Epoche befinden sich alle Spieler im Endspiel um das meiste Prestige, dann steht ein Neustart ab der ersten Epoche bevor. Ein solcher Zyklus nimmt knapp vier Monate in Anspruch.


In guter Gesellschaft

Habt ihr Vertrauen in euer Netzwerk gefasst, könnt ihr in die Lieferwettbewerbe einsteigen, die Rail Nation unter den Usern austrägt. Das Konkurrieren mit anderen Spielern ist eine der motivierenden Stärken des Simulators.

Falls euch das Liefervolumen über den Kopf wächst und die Geschäfte zu  entgleisen drohen, könnt ihr aber auch mit anderen Spielern zusammenarbeiten. Ihr dürft aus einer Reihe kleiner Firmen eine kooperative Eisenbahngesellschaft formen, die dann den Markt aufmischt - vorausgesetzt der mehrköpfige Vorstand kann sich auf eine Linie einigen. Die Gesellschaften haben eine der Städte als Hauptsitz und die einzelnen Mitglieder profitieren von besseren Absprachemöglichkeiten bei der Verkettung ihrer Fahrpläne. Zusammen konkurriert ihr dann mit anderen Konglomeraten auf der globalen Rangliste von Rail Nation um Prestige.

Rail Nation ist ein gelungener Genre-Vertreter für  transportbetonte Wirtschaftssimulationen und bietet den Grad an Komplexität, auf den ihr euch als Spieler einlassen wollt. Einsteiger halten die Zügel etwas lockerer, ultimative Strategen holen das letzte bisschen Umsatzsteigerung aus den Feinheiten des Gameplays heraus. Verbunden mit den weitreichenden Interaktionsmöglichkeiten unter Spielern haben Travian Games und Entwickler  Bright Future hier einen Titel herausgebracht, der nicht nur Eisenbahnfans Epoche für Epoche begeistern kann.