Quest'n Goblin

Quest'n Goblin Review

Review

Das Neuste im Abenteurer-Zubehör

Im 3D-Browser-RPG Quest'n Goblins lädt ein ungewöhnliches Fantasy-Setting mit komplexer Hintergrundstory zum Umdenken ein: Anstatt die Goblins niederzuknüppeln, hat die Menschheit die Grünlinge zu fügsamen Helfern domestiziert. Jetzt gehört der Einsatz von Goblins für die Abenteurer von Siranor genauso zum Handwerk wie Schwert und Lederstiefel. In Quest’n Goblins habt ihr als Held die Möglichkeit, aus einer ständig wachsenden Vielfalt von Goblins ein auf euren Spielstil abgestimmtes Gefolge auszuheben. Eure persönliche Horde beugt sich ihrem Meister und kämpft rücksichtslos an eurer Seite.

Die grundlegende Bedienung des Genre-Mix ist vertraut: Per Mausklick wird euer Hauptcharakter gesteuert und attackiert, Befehls- und Inventarleiste angeklickt und Menüs aufgerufen. Mit gedrückter Maustaste wird euer Held unbeirrt in die Richtung weiterlaufen, die ihr vorgebt, ohne dass ein versehentlicher Klick euch in die Fänge von Monsterspinnen befördert. Die Draufsicht auf eure Reisegruppe ist frei dreh- und zoombar, sodass ihr eure Besichtigungstouren abwechslungsreich in Szene setzen könnt.

Quest'n Goblins kann also mit hochwertiger 3D-Grafik ohne Download aufwarten - Der Browser muss lediglich das CoreX-Plugin integrieren, dass eine speziell auf Multiplayer-Funktionalität ausgerichtete Grafik-Engine bereitstellt. Die Spieler kämpfen sich unter Tage durch Dungeons und Höhlen oder durchqueren Sümpfe und Wälder an der Oberfläche Siranors. Zivilisation kommt mit der Stadt Madrira ins Spiel, sie dient als sichere Basis und von hier aus verschafft ihr euch später Zugang zu den alten Ruinen von Ethreon, einer vergessenen Tempelstadt aus besseren Zeiten.

Die Entwickler haben mit Details wie wippender Vegetation, wabernder Nebel und ratternden Maschinen eine bedrohliche und doch zur Erkundung einladende Fantasywelt auf die Beine gestellt. Entsprechend der komplexen Hintergrundstory des Kontinents Siranor schlägt auch das visuelle Design des Spiels erwachsene Töne an. Die Monster und Charaktere sind semi-realistisch gehalten, monströse Bestien und Skeletthorden haben eine beeindruckende Erscheinung. Hack&Slay steigt und fällt aber mit den Animationen der Figuren - Laufen, Kämpfen, Sterben, in diesen Punkten hinkt die Präsentation etwas hinterher.


Goodbye zu Fantasy-Stereotypen

Weniger konsequent ist das Design der Goblins: Sie sind hier etwas auf Sympathieträger getrimmt und erinnern eher an die Hauselfen aus Harry Potter als an die abstoßenden, hinterlistigen Kreaturen, mit denen Fantasyfans vertraut sind. Wenn man sich den Twist vergegenwärtigt, um den das ganze Szenario des Spiels gestrickt ist, wird diese Entscheidung verständlich: Goblins sind hier eure treuen Lakaien, die bereitwillig ihr Leben in die Waagschale legen, wenn es ein Problem zu euren Gunsten kippt. Ihr könnt ihnen also unbedingt vertrauen und ihnen den Rücken zukehren, ohne mit Revolte rechnen zu müssen.

Wenn Goblins so toll und hilfreich sind, warum legt die Menschheit ihre banalen Streitigkeiten nicht bei und lehnt sich gemütlich zurück, während die Grünlinge schuften? Vermutlich, weil die gezüchteten Sklaven teuer sind. Der Spieler finanziert sich seine ersten Helfer im Alleingang, und sucht mit der gemachten Beute dann einen der Goblinhändler der Stadt auf. Er macht euch einige Einstiegsexemplare schmackhaft und mit dem ersten Kauf haben die Solo-Abenteuer ein Ende. Mit dem Zusammenstellen eurer Goblinvorhut eröffnet sich stattdessen ein neuer taktischer Aspekt des Spiels, denn Goblin ist nicht gleich Goblin. Viele verschiedene Arten wollen je nach Aufgabe und Ausrichtung des Helden für das Team ausgewählt werden.

Anfangs sind leicht gepanzerte Kämpfer eine sichere Wahl, sie sind der unkomplizierte Prototyp des Goblins und vereinfachen euch die erste Zusammenarbeit. Später kommen auch schwerer gepanzerte Varianten mit entsprechender Bewaffnung hinzu, dann Bogenschützen und solche Goblins, die mit der Fähigkeit zu Elementarkontrolle geboren sind. Viele der höher entwickelten Goblins zeichnen sich durch passive Fähigkeiten aus, etwa bestimmte Resistenzen, zudem verfügen sie über aktive Talente wie Vergiften. Ähnlich wie der Spieler selbst verfügen Goblins über bis zu drei Fähigkeitsbuttons, die ab Kauf zur Verfügung stehen. Goblins sind, was sie sind: Aus ihnen wird durch mehr Erfahrung auch kein Doktor mehr. Stufenaufstiege und das Freischalten neuer Talente durch Erfahrung gibt es nur beim Hauptcharakter.


Nicht nass werden lassen und nicht nach Mitternacht füttern

Wenn ihr es so wollt, legt ihr eure Goblins an die kurze Kette: Ihre K.I. ist flexibel angelegt, und so einstellbar, dass eure Diener nicht mehr eigenständig handeln und angreifen, sondern streng nach Vorgaben des Spielers agieren. Damit werden sie zum verlängerten Arm eures Charakters: Ob ihr starke Gegner aufweichen oder eine weitläufige Höhle nach Schätzen abklappern wollt, per Befehl machen sich die Goblins an die Arbeit.

Quest'n Goblins macht es euch sogar möglich, euch in einen der Goblins hineinzuversetzen und ihn so direkt zu steuern. Für viele der Rätsel ist diese Direktkontrolle der Schlüssel, um mit Goblins an eurer Stelle Fallen aufzuspüren oder gar auszulösen, mit ihrem Gewicht mehrere Druckplatten zu beschweren oder ihre speziellen Fähigkeiten einzusetzen. Der Anteil der Rätseleinlagen ist neben der Horde ein weiterer Aspekt, mit dem das Game das Hack-and-Slay-Grundrezept auffrischt. Wie gewohnt seid Ihr aber immer mittendrin im Getümmel und macht euch trotz aller Unterstützung selbst die Hände schmutzig.

In den Gebieten gibt es Unmengen Plunder zu entdecken, neue Rüstungen, Waffen und Items, die entweder direkt eurem Charakter zugutekommen, oder zum späteren Verscherbeln ins Inventar wandern. Kommt das Abenteurer-Geschäft erst mal ins Rollen, kann man sich den Verlust und Ersatz eines Goblins problemlos leisten - jeden Gedanken an die Goblin-Witwe und die drei Goblin-Babies des Gefallenen wollen wir hier mal beiseiteschieben.


Jede Klassen in ihrem Element

Ganz nach RPG-Standard hat der Spieler prinzipiell die Auswahl zwischen vier Klassen und den dazugehörigen, überschneidungsfreien Skillbäumen. Die bieten jeweils eine Mischung aus passiven und aktiven Talenten. Die Besonderheit von Quest'n Goblins ist nun, dass man sich zwar auf die Entwicklung eines Archetypen wie den versierten Nahkämpfer einlassen kann, dies aber nicht muss: Man kann seine Skillpunkte pro Level auch für die Skills der anderen Fertigkeitenbäume ausgeben. So eröffnet sich ein prinzipiell offenes System, das bestimmte Rollen zwar nahelegt, aber jedwede Talent-Mischung möglich macht.

Die Skillbäume richten sich nach Elementen, Krieger und Nahkampftalente sind zum Beispiel der Erde verbunden. Magie ist in Siranor momentan aus der Mode, stattdessen sind Alchemisten angesehene Leute. Sie stehen im Element des Feuers und sind zu Elementarangriffen fähig. Zudem sind sie Experten für Fallen. Alchemisten kämpfen lieber aus dem Hintergrund und lassen deshalb ihre Horde voranschreiten. Auf die hat sich die dritte Klasse im Element des Wassers spezialisiert: Die Talente des Goblinmeisters liegen in der Heilung und Unterstützung seiner Begleiter. Er bricht mit dem Mode-Tabu und spricht Zauber aus, um Schaden und Konstitution der Goblins zu boosten oder gefallene Grünlinge wiederzubeleben. Eine bislang verborgene vierte Klasse hat wohl Luft als Element und wird die Möglichkeiten eures Charakters spätestens zum vollwertigen Spielstart um einen weiteren eigenständigen Fähigkeitenkatalog erweitern.


Mehrspielerakzente mit Co-Op und PvP

Jeder Spieler hat also Aussicht auf eine fast unverwechselbare Kombination aus Helden und Goblins an dessen Seite. Durch die Auswahl der Goblins, die ein Spieler in die Schlacht führt, können eventuelle Schwächen einer Klasse wieder ausgeglichen werden, zudem kann die Einheit dynamisch auf die Anforderungen der bevorstehenden Aufgabe angepasst werden.

PvE kann mit temporeichen Quests, freier Erkundung und Achievements lange fesseln, ein betonter Schwerpunkt von Quest'n Goblins ist aber auch eine breite Palette an Mehrspieler-Modi entlang von PvP-Szenarien und Co-Op von bis zu sechs Spielern mitsamt deren Goblins. Die Entwickler fördern den Wettbewerb zwischen den Nutzern dabei aktiv mit dynamischen Ranglisten, diversen Kommunikationskanälen und einem ausgefeilten Gildensystem, das als Grundlage groß angelegter Mehrspieler-Gefechte gedacht ist.

Alles in Allem präsentiert sich Quest'n Goblins als temporeiche und weitgehend erwachsene Dungeon-Crawler-Variante, die gerade im Hinblick auf seine RPG-Elemente ungewohnte Freiheiten bietet. Der besondere Reiz des Browserspiels liegt natürlich in der Kombo aus Held und den namensgebenden Goblins, die als unaufhaltsame Abenteurer-Einheit mit taktischer Tiefe und in ansprechendem 3D durch die Level fegt.