Mister X Online

Mister X Online Review

Review

Katz und Maus auf den Straßen Londons

Abbey Road, Downing Street, Kings Cross und Scotland Yard - fast jedem sind diese Orte ein Begriff. London ruft so viele Straßennamen ins Gedächtnis wie kaum eine andere Weltmetropole. Der würdige Schauplatz also für ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Geheimagenten und einem mysteriösen Verbrechersyndikat. Mister X Online bietet genau das im Browser und basiert dabei auf dem Brettspiel-Klassiker "Scotland Yard", der die detektivische Jagd auf Ganoven schon seit den 80ern in deutsche Wohnzimmer bringt.


Vom Brettspielklassiker zur Online-Hatz

Das Original von Ravensburger ist ein Taktikspiel, in dem bis zu fünf Ordnungshüter gemeinsam einen weiteren Spieler, den flüchtigen Mister X, rundenweise durch die Nacht von London hetzen. Die einzigen Spuren die Mister X hinterlässt sind seine Fahrscheine, die zeigen ob er Taxi, U-Bahn oder Bus gefahren ist - nicht aber von welcher Haltestelle aus und wohin. Nur ab und zu wird sein aktueller Standort auf dem Spielbrett verraten, so dass die Detektive viel Köpfchen, Teamwork und Gespür beweisen müssen, um den aalglatten X einzukreisen und schließlich dingfest zu machen. Schaffen sie es nicht rechtzeitig oder brauchen alle ihre eigenen Fahrscheine bei der Verfolgung auf, gewinnt das Verbrechen.
 
Dieses spannende Prinzip behält Mister X Online im Browser weitgehend bei, stellt dem schlüpfrigen Kriminellen aber eine ganze Verbrecherorganisation zur Seite, die das Leben an der Themse auf den Kopf zu stellen droht. Das X-Syndikat erpresst die Metropolen der Welt mit einer schlichten Drohung: Zahlen oder es sorgt für Terror. Die britische Regierung steckt die geforderten 10.000.000 Pfund aber lieber direkt in die Verbrecherjagd und ruft gleich zwei neue Agencies ins Leben, die das Syndikat mit unterschiedlichen Methoden bekämpfen sollen. Im Browserspiel ist man also Teil einer Task Force, die sich voll und ganz der Jagd nach den Hintermännern verschrieben hat. 

Für ein paar Hand voll Pfund

Man darf entweder bei der Falcon-Agency oder bei der Scorpion-Agency anheuern. Falcon-Agenten setzen auf saubere und moderne Fahndungsmethoden, die Kollegen von Scorpion sind von der alten Schule und haben ihre Augen und Ohren auf der Straße. Eine weitere Premiere sind die drei verschiedenen Klassen, die dem Grundprinzip mit Spezialfähigkeiten neue Impulse verleihen. Operator, Informant oder Spieler verfügen über jeweils eigene Talente, die sich im Spielverlauf durch ein Skillsystem noch ausbauen lassen. Da ihr zudem frei zwischen einer männlichen oder weiblichen Figur wählen könnt, stehen insgesamt sechs spielbare Charaktere bereit. Jeder Agent hat einen Level, die er über die im Missions-Modus gesammelten Erfahrungspunkte steigern kann. Dann erhält man SKILL-Punkte, über deren Verteilung man die Spezialfähigkeiten seines Charakters bestimmen kann. Sie erlauben euch beispielsweise, kurzeitig Gegner zu enttarnen, Stationen per Kamera zu überwachen oder ganz sperren. Wie auch in der Vorlage ist Zusammenarbeit zwischen den Ermittlern gefragt, so dass es während der Fahndungsmissionen auch darauf ankommt, diese Talente optimal zu kombinieren.


Go Go Gadget!

In der Schaltzentrale erhaltet ihr Lohn und startet Missionen, könnt aber auch ein Angebot von High-Tech-Hilfsmitteln und Spezialtickets erwerben. Auch ohne Doppelnull-Status braucht man als Agent einen Quartiermeister, der nützliche Hilfsmittel bereithält. Als Geheimdienst-Frischling bekommt man aber erstmal keinen gepanzerten Sportwagen, sondern Bus- und Bahn-Ermäßigung. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ähnlich berühmt wie Londons Straßen: Die rabenschwarzen Taxi- 'Cabs', die roten Doppeldecker-Busse und das weltweit erste U-Bahn-System gehören zu Londons Markenzeichen wie Big Ben und Beatlemania. Jede Runde löst man ein Ticket, ein Zug ist also eine Fahrt zur nächsten Station der Taxi-, Bus- oder U-Bahn-Linie. Von jedem Knotenpunkt der Karte aus gibt es verschiedene Reisemöglichkeiten, die an der Farbe der Linien zu erkennen sind, die den Punkt verlassen. Weiß steht für das lahme Taxi, Rot für den etwas effizienteren Bus und Blau ist die schnelle U-Bahn, die euch über weite Strecken befördert. Dabei haben Agenten keine Ticketkontingent wie im Brettspiel, sondern ein Budget an X-Pence, mit der sie Fahrpreise direkt begleichen. Taxi-Fahren kostet die Gesetzeshüter dagegen Garnichts mehr.

Euer ständiger Begleiter und zentraler Aspekt des Spiels ist der Stadtplan, der die wichtigsten Instrumente und Funktionen beherbergt. Er lässt sich per Maus ziehen und zoomen und wird in Verbindung mit eurer Kombinationsgabe zur wichtigsten Waffen gegen feindliche Agenten. Auf ein paar zusätzliche Kniffe kann man auf der Jagd nach den Bösewichten aber zurückgreifen, in Notfällen helfen ausgefallene Beförderungsmethoden dem modernen Detektiv auf die Sprünge. Das Motorboot über die Themse oder Fortbewegung per Raketenrucksack sind aber Ausnahmeaktionen, die sich die Ermittler durch Erfolge verdient haben. 


Lokalrunde mit üblen Gesellen

 

Ganz allgemein bietet Mister X zwei Aufgabenbereiche: Zunächst wären da die Missionen, die ausschließlich im nächtlichen London stattfinden. Man kann sie alleine oder mit Mitspielern angehen und erhält dafür Erfahrungspunkte. Die Ziele in diesem Modus variieren, manchmal muss man etwa anderen Agenten entkommen. Besondere Story-Missionen werden durch den Level freigeschaltet und inszenieren herausragende Fahndungserfolge, mit denen sich die Schlinge um Mister X jedesmal etwas enger zieht. Dann werden zum Beispiel neue Gebäude freigeschaltet, was z.B. euer Einkommen verbessern kann.
 
Das Syndikat ist aber auch tagsüber aktiv. Deshalb gehört es während des Tages zu den Grundaufgaben jedes Spielers, die unbescholtenen Bürger vor den X-Knackis zu schützen und die Straßen durch Patrouillen sauber zu halten. In diesem Modus schwankt der Wert jedes Verkehrsknoten zwischen 'sehr unsicher' und 'sehr sicher', markiert durch rote oder grüne Färbung. Unterwegs könnt ihr aber nur den Status der von eurer Position aus erreichbaren Stationen einsehen. Patrouilliert ihr zu planlos, nehmen Unsicherheit und die die Aktivitäten des X-Syndikats zu. In unsicheren Bezirken muss man dann schonmal Missionen absolvieren. Die Herausforderung liegt darin, den Überblick über die dynamische Lage zu behalten und durch ausgeglichene Präsenz die Stadtsicherheit insgesamt aufrecht zu erhalten. Gelingt es euch bei einem eurer Züge, einen der herumstreunenden Schatten der Organisation zu fangen, erhöht sich die allgemeine Sicherheit zusätzlich und beschert euch Prämien und Bürgerspenden. Mit Zugang zu bestimmten Items lässt sich die Sicherheit der Stadt später noch besser kontrollieren. Ansonsten hilft ein Abstecher in die Agency-Zentrale, die euch auch weit entfernte Brennpunkte anzeigt.
 
Bigpoints Versprechen, dass Fans des Brettspiels auch den Online-Ableger in ihr Herz schließen, scheint angesichts des Gebotenen nicht übertrieben. Die Beibehaltung aller charakteristischen Elemente sowie der vertrauten Mehrspieler-Modus lassen Erinnerungen an alte Spiele-Abende aufleben. Die zeitgemäße Präsentation und neue Ideen erweitern das Spielgefühl des Klassikers, es eröffnen sich zusätzliche Strategien, die aber etwas Eindenken erfordern.