Mark of the Ninja

Mark of the Ninja Review

Review

Leisetreter

Wenn einem in einem Spiel Feinde begegnen, geht es meist hoch her: Da fliegen Kugelsalven durch die Luft, Explosionen räumen Mensch und Maschine aus dem Weg und wer sich in der Deckung sicher glaubt, wird durch eine gezielte Granate eines besseren belehrt. Ganz anders sieht so etwas aber in Mark of the Ninja aus, denn hier seid ihr als lautloser Killer unterwegs und infiltriert schwer bewachte Gebäude. Wer es hier mit einem lautstarken Frontalangriff versucht, wird kläglich scheitern und lässt sich einigen Spielspaß entgehen.

Mark of the Ninja bricht mit der 3D-Tradion großer Schleich-Shooter wie Deus Ex, Splinter Cell oder Dishonored. Stattdessen bewegt ihr euch hier durch eine 2D-Landschaft, was zunächst antiquiert und nicht mehr zeitgemäß anmuten mag. Doch Mark of the Ninja versteht es dank stimmungsvoller Comicgrafik und spannendem Spieldesign eine tolle Atmosphäre aufzubauen. Wie ein echter Ninja bewegt ihr euch fast lautlos durch die Level, erklimmt problemlos Gebäude, klettert durch Lüftungsschächte und versteckt euch hinter Gegenständen.


Böses Erwachen

Das Spiel beginnt mir einem Angriff auf euren Unterschlupf: Während der Protagonist tief und fest geschlafen hat, haben Unbekannte eure Kameraden und euren Meister gefangen genommen. Nun liegt es an euch, sie zu befreien und die Angreifer aus dem Weg zu räumen.

Ausgestattet seid ihr dabei zunächst nur mit einem einfachen Schwert und Bambuspfeilen. Damit lassen sich Gegner aus dem Weg räumen, was ihr idealerweise natürlich lautlos und aus deren Rücken heraus tun solltet. Habt ihr euch an euer Opfer herangeschlichen, so könnt ihr per Tastendruck den Angriff auslösen. Hier kommt dann ein kurzes Reaktionsspiel hinzu, das darüber entscheidet, ob euer Angriff wie gewünscht gelingt. Drückt ihr richtige Taste, tötet euer Charakter den Gegner augenblicklich. Gelingt euch dies nicht, wird der Gegner zwar trotzdem niedergestreckt, wird dabei aber deutlich hörbare Schreie von sich geben, was nahe Gegner auf den Plan ruft.

Es lohnt sich in Mark of the Ninja stets, die Umgebung genau im Auge zu behalten. Sobald ihr einen Gegner entdeckt habt, zeigt euch das Spiel deren Sichtfeld an. Das erleichtert es euch, eure Angriffe zu planen. Befindet ihr euch nur in der Nähe, habt aber keinen Sichtkontakt, kommen aber auch andere Sinne wie das Gehör zum Einsatz, sodass ihr die ungefähre Position der Gegner anhand von Schritten ausmachen könnt. Das Spiel symbolisiert dies durch kleine, expandierende Kreise, die an der Stelle erscheinen, an der sich die Geräuschquelle befindet. Gleiches gilt aber auch für euch: Seid ihr zu laut oder rennt unvorsichtig durch die Levels, so können euch die Gegner hören und werden dann nach der Quelle der Geräusche suchen.

Geschickte Attentäter machen sich diesen Umstand natürlich zunutze: Wenn ihr Lärm macht und dann in einem Lüftungsschacht verschwindet, werden die Gegner nach euch suchen, während ihr die Feinde geschickt umgehen oder euch von hinten an sie heranschleichen könnt. Items, wie die Bambuspfeile oder später dezidierte Krachmacher ,eignen sich auch dazu, Feinde abzulenken und ihre Aufmerksamkeit von euch fernzuhalten.


Zahlreiche Hindernisse

Bekommt ihr es zu Beginn des Spiels nur mit einfachen Wachen zu tun, die euch von euren Missionszielen abhalten wollen, so wird euch das Ninja-Leben bald schon deutlich schwerer gemacht: Gefährliche Laser, Lichtschranken, die an Selbstschussanlagen gekoppelt sind, und Wachhunde, die euch selbst in vollkommener Dunkelheit erschnüffeln können, sind nur einige der Beispiele. Zudem sind die Level bald schon deutlich besser beleuchtet, als noch zu Beginn des Spiels, was euch die Sache nicht unbedingt erleichtert.

Werdet ihr bei einem Meuchelversuch doch einmal ertappt, so lösen die Wachen sofort einen Alarm aus und gehen zum Angriff über. Zwar kann sich euer Ninja auch mit Tritten und Faustschlägen wehren und einen Gegner nach einem kurzen Gerangel zu Boden schicken, allerdings verträgt er nur wenige Treffer und geht nach einigen kurzen Gewehrsalven zu Boden. Zudem bringt euch das Ausschalten von Gegnern, die ihr zunächst mit Tritten und Faustschlägen zu Boden geschickt habt, noch weniger Punkte als ein vermasselter Stealth-Kill. Trotzdem bedeutet ein ausgelöster Alarm noch nicht das Ende. Stattdessen müsst ihr euch dann nur für eine gewisse Zeit verstecken. Verlieren euch die Gegner aus den Augen, so beginnt ein Countdown herunterzuzählen, an dessen Ende die Wachen die Suche nach euch aufgeben.


Belohnungen

Für nahezu alle Aktionen bekommt ihr in Mark of the Ninja Punkte. Passiert euch beispielsweise eine Wache, während ihr euch versteckt haltet, bringt dies genauso Punkte wie das Eliminieren der selbigen. Tötet ihr eure Gegner lautlos, so bringt euch das mehr Punkte, als wenn ihr einen nicht perfekten Kill schafft. All diese Punkte werden am Ende eines jeden Levels aufaddiert und ergeben so euren Gesamtpunktestand, der am Ende die Wertung beeinflusst. Abhängig davon, wie gut ihr in den einzelnen Levels abschneidet, erhaltet ihr Ehrenpunkte, mit denen ihr zusätzliche Waffen, Spezialmoves und Gegenstände freischalten könnt.

Die Level von Mark of the Ninja sind im Großen und Ganzen linear aufgebaut. Es gibt in der Regel nur einen Weg zum Levelende, das ihr stets irgendwie erreichen müsst. Allerdings seid ihr in der Art und Weise, wie ihr dieses Ziel erreicht, weitgehend frei. Ob ihr euch in Schächten versteckt, mit einem Seil von der Decke hinablasst oder euch hinter Gegenständen versteckt, um unbemerkt an den Gegnern vorbeizukommen, bleibt ganz euch überlassen. Gleiches gilt für eure Spielweise, denn ihr entscheidet selbst, ob ihr jeden einzelnen Gegner meucheln oder lieber komplett ohne Gewalt, also nur durch reines Schleichen, das Levelende erreichen wollt. Letzteres gilt übrigens in einigen Abschnitten als besonderer Achievement, sodass ihr dadurch zusätzliche Punkte bekommen könnt.


Flinke Finger

Das Spiel bietet euch eine ganze Reihe Möglichkeiten, euren Gegnern auszuweichen, ihnen zu Leibe zu rücken und Hindernisse zu überwinden. Die Steuerung des Helden ist dabei durchweg intuitiv und gelungen. Euer Ninja lässt sich sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit dem Gamepad hervorragend steuern. Bald schon werdet ihr flink durch die Level hüpfen, Wände hinaufsprinten und Gegner meucheln. Besonders knifflige Passagen könnt ihr zusätzlich durch eine Art Bullet-Time vereinfachen: Auf Knopfdruck verlangsam sich die Zeit spürbar; dann bleibt der Protagonist mitten im Sprung in der Luft stehen und kann in Ruhe mögliche Ziele anvisieren. Das ist vor allem dann nützlich, wenn ihr zum Beispiel Schaltkästen oder Lampen treffen wollt, die nur schwer per Wurfgegenstand zu erreichen sind.

Auch an Türen und Lüftungsklappen kommt das clevere Steuerungskonzept zum Tragen, da ihr diese zunächst nur einen spaltweit öffnet und hindurchspähen könnt, ohne dass eure Gegner dies bemerken. Auf diese Weise könnt ihr den nächsten Raum auskundschaften und euch auf mögliche Gefahren vorbereiten, bevor ihr per Tastendruck die Tür vollends öffnet.

All das macht Mark of the Ninja zu einem ansprechenden und spaßigen Schleichspiel, in dem ihr euch an verschiedenen Schwierigkeitsgraden und zahlreichen zusätzlichen Missionszielen versuchen könnt. Wer also schon immer einmal als lautloser Assassine unterwegs sein wollte, bekommt hier die ideale Gelegenheit dazu.