Hawken

Hawken Review

Review

Ein Genre für Geduldige

Für Fans ist das Mech-Genre ein zweischneidiges Schwert: Neuerscheinungen sind rar gesät, in den letzten Jahren musste man die waffenstarrenden Stahlgiganten schon mit der Lupe suchen. Für 2013 sind gleich mehrere vielversprechende Titel in der Mache, Hawken läutet als Erstlingswerk der Spieleschmiede Adhesive Games das kleine Revival der Stahlgiganten ein. Dabei setzt Hawken anstelle des genretypischen Fokus auf Simulation auf actionreiches Gameplay mit taktischen Zügen.


Mit agilen Mechs in die Schlacht

Das Spiel kreiert mit dem Illia-Konflikt einen futuristischen Krieg, dessen Austragung durch den Einsatz gigantischer Kriegsrobotern dominiert ist. Die werden jeweils von einem einzelnen Piloten gesteuert, die sich mal in einer desolaten Megacity, mal in zerklüfteten Wüstenarealen des Planeten hitzige Gefechte liefern. Die Unreal-3-Engine sorgt dabei für eine opulente SciFi-Optik, die dem schnellen Gameplay Hawkens aber nicht im Weg steht. Im Vergleich zu ehrwürdigen Genre-Ahnen hat das Tempo im Neuling nämlich ordentlich angezogen.

Bislang finden die Kämpfe auf vier ausgefeilten Maps statt, die jeweils für mehrere der vier Spielmodi ausgelegt sind. Ihr nehmt eure Umgebung vom Cockpit eures Mechs aus wahr, in das eine Reihe funktionaler Anzeigen eingebettet ist - das detailreiche HUD sorgt für zusätzliches Piloten-Feeling. Im Mech seid ihr deutlich behäbiger unterwegs als in Shootern aus Sicht des ewig spurtenden Fußsoldaten, jedes träge Wenden und Drehen erinnern an den Koloss, den man durch das Gelände manövriert.

Das Ausmaß der für Mech-Spiele üblichen Schwerfälligkeit tritt bei Hawken aber in den Hintergrund. Ihr habt mit einem Alternativantrieb Technologie an Bord, die eurem Mech schnelle seitliche Ausweichmanöver ermöglicht oder ihn sogar in die Lüfte hebt. Gute Reaktionsfähigkeit ist meistens eure einzige Chance das turbulente Chaos um euch herum heil zu überstehen. Ihr könnt mit den Düsen auch zügig zum Kampfgeschehen schweben, manche der Mechs weisen aber schon ab Werk recht hohe Laufgeschwindigkeiten auf. Den Sprung und Schub-Fähigkeiten sind durch eine Art Ausdauer Grenzen gesetzt, die zugehörigen Energietanks regenerieren in Ruhephasen.


Einheit aus Pilot und Maschine

Der Simulationsaspekt ergibt sich aus dem Zusammenspiel dieser Kontrollen, die euch einige Eingewöhnung abverlangen. Kommt noch das Bedienen der Waffensysteme und ihre Anfälligkeit zu überhitzen hinzu, macht einem das Spiel immer wieder bewusst, dass man in einer Art humanoiden Panzer sitzt. Die erspielbaren Mechs hören auf klangvolle Namen wie Berserker, Vanguard oder Sharpshooter, die schon auf eine gewisse Spezialisierung und Fähigkeiten der Chassis hinweisen. Jeder Mech hat eine Spezialfähigkeit, deren Einsatz mit einem Cooldown verbunden ist. Mechs wie der 'Infiltrator' können sich tarnen, andere sind zu Transformationen fähig, können sich etwa als stationäre Defensivplattform an strategischen Stellen einbunkern. Bislang stehen 10 glaubwürdig designte Mechs zur Verfügung, die sich über ihre effektive Reichweite und ihre Masse unterscheiden. So gibt es leicht gepanzerte Langstrecken-Mechs ebenso wie schwer Gepanzerte, die in mittlerer Entfernung zum Gegner die meiste Durchschlagskraft entfalten. Eure Effektivität auf den futuristischen Schlachtfeldern ist eng mit eurem Verständnis der Maschine und eurem Know-How verbunden.

Schon vor Start eines der Modi könnt ihr euch in eurer Garage einen Überblick über euer Equipment machen. Der Ausbau und Austausch des verbauten Arsenals ist an eure Erfahrung mit dem Mech gebunden, mit jedem Exemplar habt ihr als Pilot eine eigene Lernkurve. Erst ab Mech-Level vier könnt ihr zum Beispiel die Primärkanone gegen eine andere Ausführung austauschen. Zudem schaltet ihr in einem SKILL-Tree Fähigkeiten für bessere Offensive, Defensive oder Mobilität frei, von denen alle Mechs dieser Klasse profitieren. Nach und nach passt ihr Mechs so an euren persönlichen Spielstil an und werdet Spezialist für eine der Klassen. Auswahl und Ausrüsten eines Mechs vor den Gefechten macht entsprechend einen Teil der Faszination von Hawken aus. Jeder kann sich das Sammeln und Aufrüsten der zahlreichen Modelle in den Kopf setzen, auch für Free2Play-Spieler ist das uneingeschränkt möglich. Über den Abschuss von Gegnern und euren Beitrag zu den Missionszielen verdient ihr euch Erfahrung und Ingame-Credits, die euch auch ohne das Ausweichen auf die Premiumwährung von Hawken alle Waffensysteme des Mech-Shops offen stehen. Lediglich kosmetische Bauteile und Lackierungen zur Personalisierung der Mechs wird exklusiv über Echtgeld abgewickelt.


In der Hitze des Gefechts

Die Bewaffnung jedes Mechs umfasst zunächst eine primäre und eine sekundären Fernwaffe. Das Arsenal lässt sich entlang von wenig überaschenden Kategorien ordnen: Langsame und präzise Projektilwaffen sind für Sniper attraktiv, wer gerne feuert, dass die Rohre glühen wird mit Schnellfeuerkanonen glücklich und alle die gerne auf Tuchfühlung gehen greifen zu den stark streuenden, im Nahkampf aber verheerende 'Schrotgewehr'-Äquivalenten. Dazu kommen ballistische Explosivwaffen wie Granatwerfer und zielsuchende Raketen. Zudem darf jeder Mechpilot pro Einsatz ein paar Mal Sonderequipment einsetzen: EMP-Granaten, Minen und Schildgeneratoren warten auf ihren taktischen Einsatz. Solche Gegenstände machen alternative Strategien wirkungsvoll und lockern die ansonsten sehr geradlinigen Konfrontationen zwischen den Mechs etwas auf.

Das Schadensmodell von Hawken unterscheidet übrigens keine Trefferzonen, jeder Einschlag zieht die Chassis als Ganzes in Mitleidenschaft. Das ist untypisch für ein Mech-Game, die hohe Agilität der Mechs in den Kämpfen macht allzu genaues Zielen aber ohnehin unmöglich. Unter Beschuss bersten die Scheiben eures Cockpits, Staub und Qualm erschweren euch die Sicht. Eingesteckter Schaden regeneriert sich nicht so einfach - Reparaturen müssen auf dem Schlachtfeld aktiv eingeleitet werden. Der eigene Mech fährt herunter und eine mitgeführte Drohne schweißt die angeschlagene Panzerung notdürftig zusammen. Das dauert je nach Ausmaß der Schäden einige Zeit, man wird zum leichten Ziel für Feinde, so dass ihr für  die Reparatur-Phase unbedingt Deckung suchen solltet.


Nonstop-Action in vier Multiplayer-Modi

Bislang finden die Schlachten auf vier ausgefeilten Maps statt, die jeweils für mehrere der vier Spielmodi ausgelegt sind: Das Deathmatch macht euch zum Einzelkämpfer gegen alle und wird eurer Nervenkostüm ordentlich durchrütteln. In der Team-Variante geht ihr Seite an Seite mit anderen Spielern gegen die gegnerische Mannschaft vor. Der Modus 'Siege' - zu deutsch Belagerung - versieht die zwei Teams mit Aufgaben: Die Mechs der Offensive müssen ihre Tanks mit Energie füllen und damit ein gewaltiges Raumschiff betanken, die Mechs der Defensive verteidigt die Zapfsäulen gegen die Energieräuber. Ist das Schiff startklar, verschiebt sich das Missionsziel auf dessen Schutz bzw. Abschuss. Hier wie auch im ähnlich angelegten Modus 'Missile Assault' wird schnell deutlich, dass Taktik und Teamwork mehr wert sind als hochgerüstete Mechs und erfahrene aber eigensinnige Piloten. Wartezeiten treten in den Missionszenarien kaum auf, sodass Hawken Nonstop für Action sorgt. Bei voll besetzen Slots sind die überschaubaren Karten mit einem Dutzend Mechs bevölkert. Gegner werden zwar auch auf dem Radar angezeigt, Katz- und Mausspiele sind aber eher selten - Eure Augen leisten euch in den begrenzten und verwinkelten Ruinen meist bessere Dienste, in manchen Modi kann es sich aber lohnen, nahen Radar-Echos aus dem Weg zu gehen.

Alles in allem legt Hawken das Mech-Genre in einer geradlinigen Variante neu auf: Durchdachtes Mech-Management, die auf das Gameplay abgestimmten Maps und das überzeugende Design einer düsteren Zukunftsvision verhelfen dem beliebten Mech-Szenario zu einer frischen Inszenierung. Veteranen des Genres müssen sich aber umgewöhnen, denn spielbestimmend ist hier weniger die Simulation zweibeiniger Stahlkolosse, sondern die Shooter-ähnliche Konfrontation zwischen agilen Waffenplattformen.