Goblin Keeper

Goblin Keeper Review

Review

Es brodelt in der Unterwelt

Entwickler und Publisher Gameforge stellt mit dem Browserspiel Goblin Keeper einen dieser Fantasy-Titel vor, die Gewohntes auf den Kopf stellen. Hier gebt ihr Mal nicht den Helden, der sich in düstere Katakomben voller Monster vorwagt und sich dafür feiern lässt, sondern den Dungeon Keeper, für den die Abenteurer nichts weiter sind als Störenfriede. In der kostenlos spielbaren Multiplayer-Strategie liegen die Oberweltler schnell zu euren Füßen, wenn ihr die Kreaturen der Finsternis unter eurer Führung vereinen könntet. Um die Welt von unten zu beherrschen, braucht es aber einen Overlord, und zahllose Gebieter einzelner Dungeon-Reiche befinden sich derzeit im Machtkampf. Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, und ihr als frischgebackener Gebieter seid mitten drin.


Verdrehte Fantasy mit bunt gemischtem Gameplay

Diabolischer Dungeonmaster statt strahlender Held - die ursprüngliche Originalität des Perspektivenwechsels hat sich über die Jahre etwas abgenutzt und ist mit einer ganzen Reihe von Titeln als fast eigenständiges Sub-Genre etabliert. Neulinge erwartet also ein relativ junger Strategiezweig mit Anleihen bei Tower Defense, Aufbau und Wirtschaft, der auch abseits vom verdrehten Fantasy-Szenario abwechslungsreiches Gameplay zu bieten hat. Hier zieht auch Goblin Keeper alle Register.

Das Spiel nutzt eine flashbasierte Grafik für die Gebietskarten, auf denen sich eure unterirdischen Tunnelsysteme entfalten. Auf einer übergeordneten Strategie-Karte könnt ihr eure Raubzüge auf Konkurrenten und NPC-Ortschaften schmieden und alle Entwicklungen im Auge behalten. Ein Klick auf den Dungeon eines anderen Spielers zeigt ein paar Details und die Nachrichtenfunktion, falls ihr dem Spieler sein Verderben ankündigen wollt. Alternativ wird auch Smalltalk, Handelsgespräche oder Diplomatie unterstützt.

Die Bedienung im stimmungsvollen Dungeon-Modus erschließt sich intuitiv, dafür sorgen Kontext-Buttons, minimierbare Statusfenster im Hauptbildschirm und durchweg gute Menüführung. Eine Übersicht über die aktuellen Aufgaben ist zum Beispiel nur einen Klick entfernt - der genügt, um das Quest-Journal am oberen Rand des Bildschirms aufzurufen. Zu tun gibt es in Goblin Keeper genug, anfangs gilt es, eure kleine Ecke der Unterwelt erst mal auszubauen und zu festigen.


Verlies-Architektur im Detail

Zunächst wählt ihr einen Standort für euren Dungeon und widmet euch ungestört dem Aufbau eurer Katakomben. Neueinsteiger stehen nämlich unter Anfängerschutz, sowohl was NPC-Eindringlinge angeht, als auch die Attacken andere Gebieter. Die kriegerischen Spielelemente gesellen sich erst später zur Spielerfahrung hinzu. Erst mal erledigt ihr das Tutorial, das sich über eine kleine Questreihe erstreckt und erste Erfahrungspunkte beschert.

Ein Dungeon besteht zunächst einmal aus Räumen, Räume aus mehr oder weniger Feldern. Die Anzahl der Felder in lokalen Gebieten ist begrenzt, Felder unterscheiden sich und haben Eigenschaften und Rohstoffe im Angebot. Darauf stimmt ihr das Layout eures Dungeons ab, legt Gänge und verschieden große Räume an, die dann ersten wichtigen Aufgaben nachkommen. Darunter finden sich Behausungen für die diversen Kreaturen, aber auch Stätten der Produktion und Forschung oder Trainingsarenen für eure Antihelden. Alle Räume lassen sich mit zusätzlich gefertigter Einrichtung und Ausrüstung an spezielle Anforderungen anpassen. Eure Werkstatt ist die Anlaufstelle für solche Upgrades, die Goblin Keeper zu Dutzenden bereithält.

Später sind Überfälle zwischen Gebietern an der Tagesordnung, weswegen gewiefte Bauherren ihre Anlagen schon strategisch anlegen. Stellt man sich auf Eindringlinge ein, kann man seine eigenen Monster Vorteile verschaffen, die Gegnerströme mit Barrikaden verlangsamen und lenken oder gleich durch todbringende Fallengalerien schleusen.


Hotelier des Bösen

Für die Guten soll es möglichst abstoßend sein, doch was edle Helden anwidert, lockt die böse Brut: Euer Dungeon hat Anziehungskraft auf niederträchtige Kreaturen aller Art. Ob Haudrauf-Orks, belesene Hexer oder körperlose Spukgestalten, die vielen unterschiedlichen Wesen haben eigene Ansprüche an euren Dungeon. Alle verlangen für ihre Dienste passende Behausungen und Bezahlung in hartem Gold. Es gilt fleißig zu forschen und bestimmte Räume und Einrichtung gut zu kombinieren, sonst bleiben nützliche Kreaturen aus. Diebe ziehen zum Beispiel nur in euren Dungeon, wenn eure Bibliothekare die Technologie "Auf der Schliche" freischalten, und eine Falltür in eurer Taverne für Lacher bei den Langfingern sorgt.

Der Wuselfaktor im Hauptschirm kann einem schon Mal die Übersicht rauben, das Kreaturen-Infofenster gibt euch definitive Auskunft zur aktuellen und maximalen Kreaturenanzahl. Im Trainingsraum bringen sich die Krieger in Form und leveln auf, verbraten dabei aber Ressourcen. Damit das Fitnessstudio der Finsternis nicht zum finanziellen Desaster verkommt, leitet ihr jede Trainingseinheit gezielt über das Kreaturen-Infofenster ein. Ab Kreaturen-Level 10 müsst ihr tiefer in die Trickkiste greifen, erst mit neuer Ausrüstung werden weitere Trainingserfolge möglich. In der Bibliothek produzieren eure wissbegierigen Kreaturen Forschungspunkte, mit denen ihr den weitläufigen Tech-Tree schrittweise freischaltet. So erhaltet ihr mehr Goblinhelfer, neue Räume aber auch Fähigkeiten für euch und eure eigenständigen Monster.

Mit diesen Ausbauten wächst und gedeiht euer Dungeon und die Brut die es beherbergt immer weiter. Sinkt ihr auf den zehnten Level der Niedertracht und durchlebt einen wichtigen Story-Meilenstein, dürft ihr euren Einflussbereich in der Unterwelt ausweiten, weitere Dungeons können entstehen.


Arbeit und Kapital

All das wäre ohne ein sprudelndes Einkommen kaum möglich, also überwacht ihr die reibungslose Ressourcengewinnung mit harter Hand. Unermüdlich holen eure Schürfer Mithril-Erze, Diamanten und Quecksilber aus eurer Erde und führen sie dem Bösen zu, die Goblins sammeln aber auch Eisen für die Schmieden und das Zahlungsmittel Gold ein. Die Premium-Schiene fährt man mit Goblintalern, die Wartezeiten verkürzen, und mit nützlichen Items und Boosts den Komfort noch etwas erhöhen.

Die namensgebenden Goblins sind eure Arbeitstiere - sollten sie mal nicht spuren, könnt ihr ihnen mit einem Schock auf die Sprünge helfen. Schwingt ihr die Elektro-Peitsche zu oft, setzt ihr damit ihrer Zufriedenheit zu und verliert sie womöglich an andere Keeper. Ohne Goblins kommt alles zum Erliegen - deshalb solltet ihr mit ausreichend Forschung und Platz Voraussetzungen schaffen, um die Anzahl eurer Goblins zu erhöhen. Ihr werdet aber auch über Spielerfolge mit zusätzlichen Goblins belohnt.

Habt ihr euch etwas im Spiel eingerichtet, könnt ihr Überfallkommandos ausrichten: So macht ihr in nahen Elfen-Dörfern der Beschaulichkeit ein Ende. Bei Erfolg werdet ihr wertvolle Mineralien, Rohstoffe und Vorräte einsacken und unter Tage bringen. Nicht alle Kreaturen sind aber für den Außeneinsatz geeignet, in Goblin Keeper benötigen sie eine Veranlagung zum Plündern, wie es etwa die grobschlächtigen Oger tun. Das Plündern von NPCs und Mitspielern ist eine weitere Option neben der regulären Attacke, die auf Eroberung abzielt. Werdet ihr selber Ziel von Plünderern, kann ein Tresor das schlimmste Verhindern: Sein Inhalt ist ohne Wenn und Aber geschützt.


Brüchige Diplomatie unter Bösewichten

Angriffe auf die NPC-Dörfer und Festungen der Oberwelt provozieren Gegenangriffe, mit denen ihr die Elfentruppen hinunter auf euer Terrain lockt. Hier zieht ihr ihnen meist problemlos die Ohren lang. Bestimmte Waren können ausschließlich über Beutezüge an der Oberfläche organisiert werden, so lässt sich denen, die sich in euer Reich verirren, wichtiges Leder abnehmen. Reicht das nicht aus, müsst ihr dafür auf dem Markt geschürftes Gold hinlegen.

Um Reichtümer zu rauben und die Konkurrenz zu schwächen dürft ihr eure Armeen ab einer gewissen Ausbaustufe auch in die Dungeons anderer Gebieter schicken. Natürlich könnt ihr mit anderen Spielern handeln und Allianzen eingehen - Ihr könnt sogar Freunde als Gastarbeiter in eurem Verlies beschäftigen und sie beim Ausbau und Managen des Dungeons helfen lassen. Da aber alle Gebieter letztlich die Vorherrschaft anstreben, solltet ihr euch in eurer Nachbarschaft nie zu sicher fühlen und euch auf die PvP-Orientierung von Goblin Keeper einstellen.

Das Spielziel für fortgeschrittene Dungeonmaster ist das unterirdische Herz anzuzapfen, das tief in den Gewölben des Gebirges schlägt. Alle Dungeons liegen im Einflussbereich eines Berges, und jeder Berg hat ein pulsierendes Herz. Mit seiner Energie eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten - habt ihr also erst mal einen Fuß in der Tür und die Macht des Herzens angezapft, müsst ihr es mit speziellen Anlagen schützen. Die verlangen eurer Wirtschaft einiges ab, den um die nötige Technologie zu erforschen, müssen eure Warlocks und Lichs lange teure Bücher wälzen.

Für Langzeitmotivation ist also gesorgt. Goblin Keeper spielt die Stärken des jungen Genres geschickt aus und vergisst dabei nicht, mit Feinschliff und Neuerungen eigene Akzente gegenüber seinen Vorbildern zu setzen.