Gameglobe

Gameglobe Review

Review

Die Grenzen zwischen Spielemacher und Spieler verwischen

Mit Gameglobe verfolgt Publisher Bigpoint in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerteam Square Enix ein innovatives Projekt, dem das Etikett Browserspiel nicht mehr wirklich gerecht wird: Denn anstatt Spieler auf ausgetretene Pfade zu führen, wirft Gameglobe sie in ein Universum mit Spielregeln.
 
Als eine Art Dienst am Gamer animiert Gameglobe die Nutzer, selbst kreativ zu werden. Wer Spiele liebt und schon immer selber welche machen wollte, bekommt hier das Komplettpaket frei Haus. Darin verpackt finden sich nicht nur unkomplizierte, aber mächtige Werkzeuge, mit denen sich eigene Spielideen im Handumdrehen verwirklichen lassen, sondern auch die Möglichkeit seine fertigen Kreationen weltweit mit anderen Usern zu teilen. Auf der Homepage von Gameglobe verspricht jeder einzelne der unzähligen Uploads eine unverbrauchte, nutzergenerierte Spielerfahrung.

Aus vertrauten Bausteinen entsteht etwas Neues

Eins haben alle Spiele gemein: Sie präsentieren sich als Third-Person-Echtzeit in hochauflösender 3D-Grafik. Mit der Perspektive und anderen Entscheidungen betont Gameglobe bestimmte Spielanlagen, die auf Action und Geschicklichkeit deuten: Elemente, die sich sonst so im Shooter-, Plattformer-, oder Abenteuer-Genre wiederfinden, sind hier frei zu den unterschiedlichsten Spielvarianten kombinierbar. Beim Stöbern durch den Spielefundus werden einem leichtfüßige Jump-and-Run-Games ebenso begegnen wie aufwendig erzählte Geschichten, die ohne viel Action auskommen und stattdessen voll auf das Interagieren mit NPC's und der Umgebung setzen. Prinzipiell entsteht so eine kaum abzusehende Vielfalt verschiedener Spielerfahrungen, die Gameglobe unter einer Haube vereint.
 
Ohne weitere Installation werden fertige Spiele direkt im Browser auf den Bildschirm gestreamt, bestenfalls mit 1080p-HD-Qualität. Grafisch kann Gameglobe also Konsolenqualität aufbieten, solange eine Breitbandverbindung die Übertragung von Datenmengen dieser Größenordnung zulässt. Für die kleinere Bandbreite lässt sich die Qualität stufenweise herunterregeln, was einem die farbenfrohe Grafik-Engine aber weitgehend verzeiht. Selbst im verkleinerten Fenster sollte kein entscheidendes Detail verloren gehen. 

Bigpoints Welt ist eine Scheibe

Herzstück von Gameglobe ist der Baukasten, der angehende Spiele-Entwickler direkt in die Basiswelt versetzt, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen umformen können. Im Bau- und dem eigentlichen Spielmodus wird jeder Nutzer von einer selbst gestalteten Spielfigur vertreten. Dieser Avatar hat passend zu den Grafiken von Gameglobe einen knuddeligen Cartoon-Look mit übergroßem Kopf und Gesichtsfeatures, deren Auswahl ebenso wie seine Kleidung allein Sache des Spielers ist. Mit klassischer Tastatur- und Maussteuerung durchstreift der Avatar fertige Fantasiewelten oder steht für einen Probelauf im Bauprojekt bereit. Sobald man Baufunktionen ausübt, schlägt er erst mal Wurzeln. 
 
Die Basiswelt ist eine flache Erdscheibe, die Galileo ins Schwitzen gebracht hätte; sie lässt sich per Mausrad ein- und auszoomen und mit der Leertaste drehen. Über die Maus und einige Tastaturkommandos kann die eigene Vision hier unkompliziert Gestalt annehmen. Die Bedienung des Editors ist weitgehend intuitiv - Funktionen, Tastenkürzel etc. sind klar gekennzeichnet. Um sich die Fülle an Möglichkeiten des Baukastens anzueignen, sind die zusätzlichen Text- und Videoanleitungen auf der Homepage also kein Muss, aber zumindest eine sinnvolle Hilfe um die eigene Spielidee effektiver zu verwirklichen. Die F-Tasten sind mit den Gestaltungs-Dimensionen wie Form, Farbe, und 'Props' belegt, entlang derer die eigene Spielwelt von der Fantasie zur Wirklichkeit wird. Sie kommen jeweils mit einer ständig wachsenden Galerie vorgefertigter Variationen, die es erlauben, jedes Spiel schnell mit gängigen Elementen anzureichern.

Die ultimative Schöpfung in sechs einfachen Schritten

Im grundlegenden Shape-Modus schwingt man einen 3D-Pinsel in variierbarer Größe und Form, mit dem man eine dreidimensionale Oberfläche schaffen kann. Das Land wird mit der linken Maustaste gehoben, mit der rechten gesenkt. So lassen sich Berge, Flüsse, Canyons oder Höhlen rasch erstellen. Im Farb-Modus des Editors verleiht man seiner Welt einen Anstrich: Denn Farbe verleiht Stimmung, und die sollte natürlich mit der Spielidee harmonieren. Die Galerie bietet bereits zum Start von Gameglobe viele verschiedene Texturen bzw. Oberflächenbeschaffenheiten. Asche und Wüstensand, Rinde, lebendige Natur wie Wiesen und Wälder, aber auch Beton und verschiedenste Gesteins-Arten lassen sich per 3D-Cursor auf die Landschaft auftragen. So wird aus einer Steinsäule schnell ein gewaltiger Baumstamm von prähistorischen Ausmaßen.
 
Mit allgemeinen Welteinstellungen lässt sich das Setting des Levels weiter konkretisieren: Tageszeit, Sonnenstand und Beleuchtung sind einstellbar, ebenso Wasserhöhe und -beschaffenheit, sodass aus einem Gebirgsbauernhof mit wenigen Klicks ein von Lava isolierter Außenposten werden kann.
 
Für eine detailreiche Spielkulisse sorgt die Props-Gallerie, die ihr Angebot entlang von Stilen ordnet. Ob Wildnis, Stadt oder historisches Setting, entsprechende Requisiten sind in der gerade geformten und gefärbten Welt frei positionierbar. Viele der Props bringen bereits Effekte mit, etwa feurige Lichtquellen, gefährliche Fallen oder rauchende Schlote, die der Spielwelt Leben verleihen. Sie lassen sich frei nach Wunsch kombinieren. 
Die meisten Objekte unterstützen zudem Interaktivität, d.h. Elemente wie Türen, Hinweisschilder etc. sind mit anderen Elementen und Aktionen verknüpfbar. Soll sich eine Tür erst öffnen, wenn man mit seiner Spielfigur den zugehörigen Schalter betätigt oder ein wichtiges Gespräch mit einem NPC geführt hat, ist das über den Editor rasch eingebaut. Der Wechsel in die Perspektive des Avatars ist jederzeit möglich und erlaubt das Ausprobieren solcher Mechanismen. So wird das Erschaffen eines eigenen Spiels selbst zum spielerischen Prozess, der an den Bildschirm fesselt.

Kreative Inhalte sind Sache der Community

 

Dreh- und Angelpunkt dieser besonderen Erfahrung ist die Homepage, die das Stöbern in der virtuellen Spielesammlung mit hilfreichen Kategorien fördert. Die Reiter "Am meisten gespielt", "Am besten bewertet", "Trending" und "Neu veröffentlicht" stellen Dauerbrenner und herausragende Newcomer unter den Games, Seite an Seite. Manche der Level sind ein kurzes Vergnügen, sodass man in kurzer Zeit eine ganze Reihe verschiedener Spielkonzepte durchsteht. Das erzeugt das Gefühl einer enormen, nahtlosen Spielesammlung, eine Art familienfreundlicher Minispiel-Marathon, der ein wenig an einschlägige Konsolentitel erinnert.
 
Alle hochgeladenen Games haben eine eigenständige URL, die sich direkt im Browser aufrufen lässt. So können die Links z.B. auch per Mail verschickt werden, und die Empfänger werden fast direkt, zumindest ohne das eine vorherige Anmeldung oder ein Einloggen nötig wäre, in die HD-Spiele versetzt. Dass der Zustrom kreativer Beiträge abreißt, ist kaum zu befürchten - solange eine kreative Community das Projekt Gameglobe stützt, wird das Angebot an Spielen wachsen. Mit Gameglobe eröffnet sich so ein von den Usern getragener, offener Spielefundus, der mit Streaming und Cloud-Anleihen Browserspielen auf Höhe des derzeit Machbaren bietet.