Dofus

Dofus Review

Review

Der Einstieg ins Ankama-Universum

Die französische 'Ankama Group' ist ein echter Cross-Media-Spezialist: Neben der enorm populären Comicreihe Dofus und der passenden Spielzeug-Kollektion hat das Studio mit 'Wakfu' eine erfolgreiche Animationsserie auf den Weg gebracht, die über bislang zwei Staffeln so manches Rollenspiel-Klischee auf die Schippe nimmt. 'Ankama Games'  steuert mit dem Game Dofus einen weiteren Teil zum Gesamtkonzept hinzu, all diese Machwerke erweitern und verfeinern das Ankama-Universum, das sich bei Lesern, Zuschauern und Spielern großer Beliebtheit erfreut. Dass sich Synergie auszahlt, beweisen die knapp 30 Millionen Spieler des MMORPG. Wer mit dem Game seinen Einstieg feiert und Gefallen an dem charakteristischen Humor der leichtfüßigen Fantasy-Welt findet, dem wird also auch abseits vom PC einiges geboten.


Freche Hommage mit eigenen Akzenten

Dofus ist Client-basiert, anstelle des Browsers tritt ein eigenständiges Programm, dessen Download und Installation zum Spielen vorausgesetzt ist. Euer Spielfortschritt wird auf den Servern des Betreibers gespeichert und ist vor Verlust und Manipulation geschützt. Außerdem könnt ihr euer Abenteuer von jedem internetfähigen System aus fortsetzen. Es gibt jeweils eigene Clients für Linux, Mac und Windows PC.

Das Programm eurer Wahl befördert euch in die 'Welt der Zwölf', einer aus mehreren Kontinenten und Inseln zusammengesetzte Spielwelt, die sich mittlerweile auf über 4000 besuchbare Karten erstreckt. Die Gebiete sind über Portale verknüpft, im Spielverlauf besucht ihr so friedliche Städte, reitet auf einem Dracotruter durch wilde Dschungel und kämpft euch durch Dutzende fordernder Dungeons. Die anspruchslose Grafik-Engine ist Flash-basiert und setzt voll auf isometrisches 2D, das einen wehmütig an die Ära vergangener 16-Bit-RPG's zurückdenken lässt, aber zeitgemäße Auflösungen und frisches Design mitbringt. Optisch bewegt sich Dofus im Einklang mit den gedruckten und animierten Ablegern, die Macher pflegen einen frechen Anime-Stil mit eigener Note.

Zwischen den Kämpfen bewegt ihr euch in Echtzeit auf den isometrischen Spielumgebungen, jede Bewegung und Aktion wird mit der linken Maustaste in die Wege geleitet. Einige wenige Buttons führen euch ins Inventar eures Charakters, zu seinen allgemeinen oder berufsbezogenen Attributen oder ins Quest-Log. 


Zwischen Präzision und Trunkenheit

Ihr questet nicht allein, auch eure Mitspieler sind unterwegs, um einer ungeheuren Schandtat auf den Grund zu gehen: Die Welt der Zwölf stand bis vor Kurzem unter dem Schutz uralter Talismane, Glücksbringer in Gestalt überdimensionaler Dracheneier, die lebensspendende Energien ausstrahlten. Die sind ihren Wächtern aber kürzlich geraubt worden, was die Fantasiewelt arg in Mitleidenschaft gezogen hat. Monster wagen sich wieder aus ihren Verstecken und die Natur selbst spielt verrückt.  Es gilt das alte Gleichgewicht wiederherzustellen und sicherzustellen, dass die mächtigen Glücksbringer nicht in die falschen Hände geraten sind. 

Alle 12 Nationen schalten sich aktiv in die Suche nach den Dofus ein. Die Völker wie Cra, Iop und Pandawa könnten kaum unterschiedlicher sein. Alle haben ihre eigene Geschichte, Charme und unbeschwertes Design. Sie stehen jeweils für bestimmtes Gameplay, wie es in anderen Rollenspielen erst die Klasse determinieren würde. So sind die Cra exzellente Bogenschützen, die Iop die klassischen Nahkampf-Spezis. Andere Völker haben ausgefallenere Talente, etwa die Pandawa: Die Pandabären nachempfundenen Krieger sind eine Nahkämpfer-Variante, die sich mit selbstgebrauten Schnäpsen in Kampflaune trinkt und Gegner sogar mit der Alkohol-Fahne attackieren kann. Ihr wählt ein Volk und entscheidet euch für eine weibliche oder männliche Variante - somit stehen bis zu 24 Charaktermodelle zur Auswahl.  Sobald ihr euren Charakter farblich angepasst habt, werdet ihr nach Incarnam transferiert, das Startgebiet über den Wolken. Neue Spieler absolvieren hier erste Quests und verdienen sich ein passables Set an Fähigkeiten und Ausrüstung für das Hauptabenteuer am Boden, wenn sie sich denn für einen Übertritt in die Pay2Play-Regionen entscheiden. Weiteres questen führt euch dann an immer entlegenere Orte, komplexe, mehrstufige Aufgaben sind keine Seltenheit, dafür belohnen einen die Questgeber in der Regel mit Erfahrungspunkten, Ingame-Währung und Ausrüstung. Mit jedem der bis zu 199 Levelaufstiege dürft ihr eure Attribute verbessern, neue Zauber lernen oder bewährte Zauber verbessern.


Alte Tugenden neu aufgelegt

Mit Wechsel in den rundenbasierten Kampfmodus lässt Dofus Gameplay aufleben, das schon die Stärke klassischer Taktik-RPG-Serien wie Segas 'Shining Force' oder Nintendos 'Fire Emblem' war. Jeder Kampf ist ein rundenbasierter Schlagabtausch, der mit zunehmender Optionsbreite immer anspruchsvoller wird.

Der Kampf wird in auf einem gekachelten Spielfeld ausgetragen, auf dem man sich einen der angebotenen Startpunkt in Relation zum Gegenspieler aussuchen darf - Nahkämpfer möglichst nahe am Gegner, Fernkampf-Spezis lieber in etwas Entfernung. Jeder Figur wird aufgrund von zehn Basiswerten wie Vitalität, Stärke und Beweglichkeit eine bestimmte Menge Aktionspunkte pro Zug gewährt. Dazu greift ihr auf eine frei belegbare Shortcut-Leiste zurück, die euch eure Fähigkeiten und Zauber übersichtlich präsentiert. Das Kampfgeschehen büßt auch nach vielen Spielstunden durch die ständig wachsende Vielfalt möglicher Aktionen nie an Spannung ein. Direkte Angriffe sind eine Möglichkeit, man kann seine Runde aber auch nutzen um sich zu heilen oder zu stärken, Gegnern Fallen in den Weg zu legen oder einen Mitstreiter zu beschwören.

Dofus unterscheidet eigene Punkte für Aktionen und für Bewegung. Eure Reichweite wird farblich hervorgehoben, sodass ihr schon erkennt wie viele Felder weit euer Charakter spurten oder Pfeile feuern könnte, bevor er die entsprechende Aktion durchführt. Das Ausmaß an 'Initiative' bestimmt die Reihenfolge, in der Helden und Monster ihren Zug vornehmen, ein virtueller Würfelwurf entscheidet, wie gut der Angriff oder Zauber trifft. Es gilt also, seine Aussichten zu durchdenken und vorauszuplanen. Die Kämpfe sind anspruchsvoll und machen für jede Gegner-Gruppe das Anpassen der Taktik sinnvoll. Nach ständiger Weiterentwicklung ist die Schar der Gegnertypen auf 2000 Varianten angewachsen. Vom Aussehen sollte man sich übrigens nicht täuschen lassen, riesige Steinkreaturen zerbröseln überraschend einfach, während euch andere Widersacher trotz Plüschtier-Look und Westentaschen-Format kräftig einheizen.


Jäger, Sammler und Schuster

Kampf und Beute verscherbeln ist nicht alles, jeder Spieler kann sich mit friedlichen Aktivitäten etwas dazu verdienen. Das beginnt mit Wasser schöpfen und dem Schälen von Kartoffeln, ihr dürft aber auch erbeutete Gegenstände in anderweitig verwendbare Einzelteile zerlegen.

Wer vollwertig in Dofus einsteigt, kann in einer der städtischen Manufakturen einen Beruf seiner Wahl erlernen. Es gibt drei Berufsgruppen, die Sammler, die Grundstoffe wie Felle oder Holz zur Weitergabe organisieren, die Handwerker, die mit den Stoffen Waren und Waffen herstellen, sowie Züchter, die Reittiere ausbilden. Die Handwerker machen mit 17 Varianten den Großteil der verfügbaren Berufe aus. Sie dürfen ab einer gewissen Spielstufe sogar zu Spezialisten werden, die eine bestimmte Ware fortan in edleren Ausführungen produzieren. Man darf bis zu drei Berufe lernen, um ihn auszuüben, muss man aber das richtige Werkzeug ausrüsten und die richtigen Zutaten im Inventar vorrätig haben. Zum An- und Verkauf solcher Zutaten fördert Dofus den Spieler übergreifenden Ingame-Handel. Dabei kann man seine Produkte am globalen Markt anbieten oder sich schlicht an eine Straßenecke stellen und mit jedem Handeln der eure Waren benötigt.


Reibereien unter Freunden

Eine globale Chatfunktion ist im Game-Client ebenso inbegriffen wie ein Privatmodus, der euch mit euren Freunden kurzschließt. Die lassen sich in einer Liste verwalten. Das Gründen einer Gilde macht eure Bande offiziell, im PvE-Modus ergänzen sich eure Fähigkeiten und ihr zieht als schlagkräftige Party ins Abenteuer. Im selben Fenster wie Spielernachrichten erscheinen übrigens auch Infos zu allen Aktionen und Zaubern jedes Spielers, sodass ihr selbst in unübersichtlichen Matches mit vielen Teilnehmern nie die Orientierung verliert. In Teams bis zu acht Mann darf man dann auch andere Gilden herausfordern. Der Kampf gegen die echten Mitspieler hat aber eher eine sportliche Note, mehr als ein paar blaue Flecken könnt ihr euch im PvP nicht einfangen. Die Macher von Dofus veranstalten in unregelmäßigen Abständen Turniere, bei denen sich die besten Spieler unter Beweis stellen können.

Wer seiner Gilde echtes Rollenspiel-Ambiente bescheren will, kann seiner Gilde sogar ein Hauptquartier einrichten, ein Haus in einer der fünfzehn Städte, das nur Gildenmitgliedern offen steht - nur eines der vielen Beispiele, wie tiefschürfend die Spielerfahrung sein kann, die Ankama Games mit dem MMORPG Dofus bereitstellt.