Dino Storm

Dino Storm Review

Review

Eine zügellose Idee und der wilde Ritt zur Realisierung

Für Ordnungshüter im Wilden Westen ist Einschüchterung ein wertvoller Verbündeter, denn die üblen Halunken haben oft schwache Nerven. Verwegener Hut? Check. Überdimensionierte Wumme? Check. Ein unzähmbar scheinendes Reittier im Namen des Gesetzes satteln? Check. Im 3D-Browsergame Dino Storm reitet man aber nicht auf Pferden und schießt Blei, sondern feuert stattdessen Laserkanonen vom Rücken mächtiger Saurier. Was die Hamburger Splitscreen Studios auf Basis dieser abgefahrenen Ausgangsidee programmiert haben, erfahrt ihr jetzt.

In ruhigeren Zeiten lebten im Städtchen DinoVille fast nur Saurier-Züchter und der ein oder andere Laserwaffenschmied. Doch nun greift ein Goldrausch um sich und DinoVille wird zum Ziel unzähliger Glücksritter. Doch nicht alle sind aufrechte Goldschürfer, viele der Neuankömmlinge wollen sich um jeden Preis bereichern. Schnell verhärten sich die Fronten zwischen kriminellen Banden und den ehrlichen Cowboys.

Dinosaurier sind in diesem Szenario also nicht das eigentliche Problem, vielmehr treiben organisierten Banditen die Ansiedlung mit Wegelagerei und Überfällen zur Verzweiflung. Die Bürger brauchen Schutz und mancher Spieler fühlt sich berufen, der Gesetzlosigkeit ein Ende zu setzen. Mit jedem Vogelfreien, den man zur Strecke bringt, winkt Kopfgeld in harten Dollar. Und auch sonst sind die alteingesessenen Bewohner von DinoVille die Anlaufstelle für Quests und Handel.

Auf dem Papier verspricht das MMO-RPG Dino Storm ein durch die Spieler getragenes Event-System, das die Spielwelt dynamisch um eine Gruppe und ihr Abenteuer verändert. Dessen Schwierigkeit ist von der Gruppenstärke abhängig - Teambildung verspricht Vorteile, ihr könnt ein Abenteuer aber auch alleine bewältigen. Man fühlt sich durch das Spiel also nicht unbedingt genötigt, Mitspieler anzuwerben oder sich mit der Community auseinanderzusetzen - andere Spieler sind schlicht da, aber kein Muss.

Die Ingame-Funktionen für Interaktionen erscheinen ohnehin noch ausbaufähig: Momentan stützt sich Kontaktaufnahme auf die Chatfunktion mit zufällig in der Nähe befindlichen Usern und gelegentliche PvP-Scharmützel. Einen Clan kann man, genügend Gründungsmitglieder vorausgesetzt, aber ohne Weiteres ins Leben rufen.


Vom Vagabund zum Würdenträger

Eine Expedition in die Wildnis sollten selbst die härtesten Kerle gut organisieren, denn außerhalb der Stadt leben die wilden Dinos, die in Herden durch die Canyons und Steppen streifen. Räuber und Dinos machen jeden Ausflug jenseits der Stadtgrenzen zum Drahtseilakt - den ein Außenbezirk wie der Makon-Wald kann DinoVilles Nachschub an Rohstoffen und Nahrung sichern, zudem kann man wertvolle Fossilien- oder Goldfunde machen. Ganze Minen oder verlassene Außenposten können zum eigenen Nutzen wiederentdeckt und betrieben werden, aber dazu müssen Dinos und Konkurrenten vertrieben und dauerhaft ferngehalten werden. Zusammen mit den Quests des Spiels sind erfolgreich betriebene Gebäude in der Umgebung DinoVilles der Pfad zur Anerkennung in der Stadt. Mit solchen Aktionen erringt ihr die Anerkennung der Siedler und dürft euch in DinoVille Chancen auf wichtige Ämter ausrechnen. Die Spieler von Dino Storm konkurrieren hier tatsächlich um dieselben Privilegien, Ämter wie das des Sheriffs oder Bürgermeisters fallen einem also nicht automatisch in den Schoß. Über Ämter bekommt ihr zudem Zugriff auf spezielle Dinos und besondere Technologien. Dem Sheriff stellt Dino Storm zum Beispiel exklusive Saurier in den Stall.

Der Spieler kann, und das ist erfreulich, sich seine Rolle in dieser Geschichte aussuchen. Ihr könnt als Ranger auf das Gesetzbuch pochen und Kopfgelder kassieren oder als einfacher Abenteuer euren Geschäften nachgehen, euren Saurier pflegen und geschürftes Gold verteidigen. Dino Storm lässt aber auch Raum für wirklich alternative Lebensentwürfe: Wer will, darf als Bandit die unbescholtenen Spieler aufs Korn nehmen und mit seinen Kumpanen einträgliche Raubzüge planen.


Dinos in allen Varianten

Auch wenn sie in dieser Mechanik nur als Beiwerk erscheinen, die echten Stars der Show sind natürlich die Dinos. Die prähistorischen Ungetüme kommen in groß, größer und riesig, selbst Starttiere wie den Raubsaurier Coelophysis bewegen sich schon in Größenordnungen, die jedes Pferd, jedes Kamel und sogar Elefanten als mickrige Notlösung erscheinen lassen. Wer als Reiter auf einem T-Rex oder Brachiosaurus Platz nimmt, sollte besser nicht abgeworfen werden, denn von ihrem Rücken ist es ein langer Weg nach unten.

Die unterschiedlichen Dinos haben ein eigenes Eigenschaftsprofil, sie unterscheiden sich in ihrer Ausdauer, ihrer Gesundheit und ihrer Stärke. Kein Dino ist so mächtig wie der royale Tyrannosaurus, aber an Ausdauer und Gesundheit sind ihm so einige überlegen. Der Centrosaurus, ein Verwandter des dreihörnigen Triceratops, ist um einiges zäher und teilt dabei immer noch kräftig aus.

Alle Dinos haben zudem eigene Tricks auf Lager, Spezialattacken und Fähigkeiten, mit denen der Spieler das Blatt in brenzligen Kämpfen noch wenden kann. Der Centrosaurus kann verheerende Ramm-Attacken ausführen, der T-Rex darf zur Einschüchterung ein nervenzerreißendes Brüllen ausstoßen. Jedes Exemplar durchläuft an eurer Seite übrigens Evolutions-Stufen, also einen Wachstumsprozess, der Fähigkeiten, Werte und Platz für Extras, sprunghaft vergrößern kann.

Das Cyber-Element des Spiels zeigt sich, wenn es daran geht, den Dinosaurier mit Implantaten zu tunen. Mithilfe von Hardware kann man so deren Schwächen ausbügeln oder starke Eigenschaften noch auf die Spitze treiben. Daneben gibt es auch Implantate, die zur Regeneration beitragen, die Chancen auf Ausweichen verbessern oder Effekte wie 'Lähmung' verringern.


Reitstunden in atmosphärischem 3D

Einsteiger werden in DinoStorm im Rahmen einer Questreihe eingewiesen, die nahtlos mit der Ankunft der eigenen Spielfigur in DinoVille verknüpft ist. Ihr steuert euer Reiter-Dino-Gespann aus der dritten Person durch den wüsten Canyon, wahlweise per WASD oder durch einen Mausklick in die Ferne. Die meisten Interaktionen mit der näheren Umgebung laufen über die erste Maustaste. Entscheidet ihr euch dazu, Gegner zu attackieren, feuert euer Ranger seine Laserpistole, bis die Gegner knusprig sind, zusätzliche Kampffertigkeiten lassen sich über eine frei belegbare Leiste oder entsprechende Zifferntasten auslösen. Genauso werden vorrätige Verbrauchsgegenstände benutzt, etwa wenn man Heiltränke einnehmen möchte. Dass man auf einem Lebewesen und keiner Maschine sitzt, wird durch den Powerbalken der eigenen Vorzeitechse deutlich: Bei niedriger Ausdauer werden sind viele Aktionen weniger wirkungsvoll. Ab und an sollte man also rasten, eine Tränke ansteuern oder füttern.

Eine der herausragendsten Argumente für DinoStorm ist seine Ausreizung der 3D-Engine. Sie steht hinter vielen 3D-Titeln der aktuellen browserbasierten Spiele und ihre Möglichkeiten wurden von den Splitscreen Studios zu einer sehr atmosphärischen 3D-Welt verdichtet. Die detailreiche Westernkulisse ist dabei trotz ihrer fantastischen Extras in einem realistischen Stil gehalten, Figuren und Dinosaurier sind zwar bunt, aber ihre Erscheinung ist nicht comichaft überzeichnet, sondern gibt mehr oder weniger ein authentisches Bild davon ab, wie ein Ritt in den Sonnenuntergang wohl auf dem Rücken von Dinos ausgesehen hätte. Schade ist aber, dass man im MMO trotz der betonten Multiplayer-Ausrichtung oft Gefahr läuft aneinander vorbei zu spielen.