Deepolis

Deepolis Review

Review

Dort, wo keine Sonne scheint

Deepolis ist ein MMO-Echtzeit-Actioner von Bigpoint mit folgendem Setting: Die in drei Lager gespaltene menschliche Zivilisation hat sich in die Tiefen des Ozeans zurückgezogen, und keine der Drei will  sich den Herrschaftsansprüchen der anderen beugen. Was folgt ist ein stimmungsvoller Krieg in der Kälte und Dunkelheit der Tiefsee, in den sich der Spieler als U-Boot-Kommandant einschaltet und fortan mit explosiven Argumenten Partei ergreift. Wem Einigkeit und Sonnenschein schwer auf der Seele lasten, dem bietet Deepolis also die Chance auf den ersehnten Druckausgleich.


Geschraubt wird im Trockenen

Merke: Wie es mit der Welt auch weitergeht, den Zusammenbruch überstehen immer drei Parteien, die trotz aller Widrigkeiten noch ihre eigene Ideologie behaupten. Auch bei Deepolis sorgen drei 'Konföderationen' dafür, dass neue Spieler von Start an zwei Feindbilder zu pflegen haben. Dabei hilft das markante Design der einzelnen Seiten, Unterschiede beschränken sich aber nicht nur auf die Optik: Die Nauten, die Zions oder die Jahnfar haben jeweils eine charakteristische Stärke, die verschiedenen Spielertypen entgegenkommt. Die Zions haben sehr defensiv ausgelegte U-Boote, während die Jafnar besonderen Wert auf offensive Kriegsmaschinerie legen. Die Nauten sehen sich als Forscher und bauen ihre Tauchschiffe dagegen ausgewogen; als neutrale Fraktion steht ihnen zudem der Handel mit jeder Seite offen.
 
Die U-Boote von Deepolis unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und ihrer Ausbaufähigkeit. Im Verlauf des Spiels steuert man immer ein Exemplar, kann aber bis zu fünf der diversen Schiffstypen besitzen. Jedes einzelne hat schon in der Basisversion Vorzüge und Schwächen, die es zu beachten gilt. Je nach Mission ist vielleicht ein anderer Typ oder andere Ausrüstung besser geeignet. Manche haben sehr viel Laderaum für geborgene Wertstoffe, andere regenerieren ihre Energieschilde schneller, während wieder andere am meisten Fahrt machen. Das Managen der Tauchschiffe im separaten Fenster macht einen wesentlichen Aspekt des Spiels aus: Die Inspektion im Trockendock wird Kommandanten zwischen den Touren in unbekannte Gewässer beschäftigen. In übersichtlichen Menüs kann die gerade nicht verwendete Technologie eingelagert werden, schon mal an einem der erspielten Schiffe verbaut oder eben auch verkauft werden.

Erste Schwimmversuche vor abwechslungsreicher Kulisse

In Deepolis muss der Spieler nicht durchs Periskop spähen oder an seinen Boxen nach Sonarkontakten lauschen, stattdessen schwebt das eigene U-Boot isometrisch in der Mitte des Browserfensters. Schweben heißt, dass jedes Boot durch Tauch- und Aufstiegsfunktion die Möglichkeit hat, sich dreidimensional im tiefen Blau zu bewegen. Völlig verloren ist man im Wasser aber nicht, ein Schimmer Meeresboden gibt einem ein Gefühl von Raum und Fortbewegung. Der Grund bietet eine abwechslungsreiche Kulisse für die Tauchfahrten und ist mal unbelebt, mal bewachsen, teils sogar vulkanisch aktiv oder bedeckt mit versunkenen Bauten.
 
Eine Minikarte sowie die aufrufbare Gebietskarte machen die Navigation in den unterschiedlichen Regionen übersichtlich. Zusätzlich zu manuellen Kursvorgaben kann jeder Punkt der Karte als Ziel angeklickt werden, sodass sich das eigene U-Boot auch über weite Strecken mühelos voranschraubt. Zur Freude echter Seebären blendet Deepolis die eigene Position sogar in Längen- und Breitengraden ein. Ein anderes Fenster zeigt nahe NPC- und Spielerkontakte, die sich per Klick ansteuern lassen. Die ersten Quests von Deepolis sind darauf ausgelegt, dem Spieler diese Grundzüge der Navigation in der Unterwasserwelt zu vermitteln und den Kampf zu trainieren. Die Echtzeit-Gefechte verlangen etwas Timing - Zusatzwaffen wie Torpedos machen weit mehr Schaden als das Dauerfeuer der Primärbewaffnung, aber die Rohre brauchen aber etwas um wieder feuerbereit zu sein. 
Zu Beginn wird man ausschließlich NPC-Gegnern hinterherjagen und mit jedem Abschuss Erfahrungspunkte, Material und etwas der Ingame-Währung Cel zu erhalten. Ein Levelaufstieg eröffnet neue Ausrüstung und auch Quests, bei denen man auch schon mal Boss-Gegner ausschalten soll. Bei solchen Gelegenheiten lassen sich auch Mengen des raren Rohstoff Helix einsammeln, der geduldigen Spielern Zugang zu allen Inhalten von Deepolis erlaubt, ohne auf Payment-Angebote angewiesen zu sein.
 
Bis Level 5 genießen Anfänger noch 'Kadetten'-Schutz, aber im fortgeschrittenen Spielverlauf werden PvP-Kämpfe zu einem tragenden Element der Spielerfahrung. Das Abschießen der U-Boote von Mitspielern verspricht weit größere Belohnungen als das Bezwingen eines NPC-Gegners. Damit dieser Anreiz nicht zu 'Fressen oder Gefressen werden' ausartet, pflegt Deepolis ein bemerkenswertes System: Niedrig und hochlevelige Spieler dürfen zwar in allen Regionen der Unterwasserwelt zusammentreffen, aber PVP-Übergriffe hochgerüsteter Veteranen auf Neuzugänge werden durch unbezwingbare KI-Schlachtboote unterbunden. Die sogenannten 'Gards' haben sich den Schutz des Nachwuchses auf den Rumpf geschrieben und stehen Spielern ab Level 5 zur Seite, falls ihnen übermächtige Spieler zu dicht auf den Propeller rücken. So wird sichergestellt, dass es nur weitgehend ebenbürtige Kontrahenten miteinander aufnehmen. 

Alle Mann auf Tauschstationen!

Bergung ist ein notwendiges Erfordernis, um die vom Krieg zerrüttete Wirtschaft nicht vollends leckschlägt. Der eigene Frachtraum ist limitiert, für den Unterhalt des Bootes sollte man aber keine Gelegenheit auslassen, Ladung an Bord zu nehmen. Um den Ausbau des Tauchschiffs zu finanzieren, könnt ihr entweder Treibgut durchstöbern oder die vom Druck der Tiefe zerquetschten Überreste abgeschossener Feinde verwerten, bevor die See sie endgültig verschlingt.
 
Mit den gesammelten Ressourcen nimmt man dann Kurs auf eine der Unterwasserstationen. Hierher kommen die Kapitäne nicht nur, um zwischen den Tauchfahrten Frischluft zu schnuppern, die Stationen sind Umschlagplatz für geborgene Rohmaterialien, verbaubare Teile und ganze U-Boote und damit Grundpfeiler der Tiefsee-Ökonomie. Beim Händler wird die Fracht gegen Cel getauscht, was zum Einkauf neuer Ausrüstung und für das Munitionieren der Waffen benötigt wird. 
Im Arsenal finden sich unter anderem Torpedos, Minen und Schallkanonen in unterschiedlichsten Ausführungen und mit diversen Munitionstypen. Extras wie Begleitdrohnen, Schild- und Panzerupgrades sowie Antriebsmodifikationen verleihen dem eigenen nautischen Kampfschiff den letzten Schliff. Aber Vorsicht, wie auch Schiffe sind die Stationen einer der Fraktionen zugehörig. Nur die neutralen Nauten dürfen an allen andocken und handeln. Zudem ist nicht alle Hardware von Deepolis an jeder Station verfügbar, auf der Suche nach dem optimalen Equipment kann es sich also lohnen, den Heimathafen hinter sich zu lassen und das Angebot unbekannter Basen unter die Lupe zu nehmen. Jede nutzbare Station gewährt Zugang zu dem spielweiten Auktionshaus, das stündlich neue, seltene Spezialteile unter den Spielern versteigert.

Kurzes Intermezzo oder dauerhaftes Commitment?

Im Verband lassen sich die Untiefen der Unterwasserwelt leichter umschiffen, zu diesem Zweck fördert Deepolis das unkomplizierte Eröffnen von Gruppen. Jeder Gamer kann ohne weitere Voraussetzungen Einladungen an andere Spieler aussprechen oder annehmen. Die Erträge gemeinsamer Unternehmungen werden für die Dauer der Kooperation gleichmäßig unter den anwesenden Mitgliedern der Gruppe verteilt. Solche Verbände lassen sich jederzeit verändern oder verlassen.
 
Noch weiter geht das Clanfeature: Fühlen sich Spieler innerhalb einer Fraktion eng verbunden, gibt ihnen das Ausrufen eines Clans eine permanente  Identität. Als Clan hat man eine exklusive Chatmöglichkeit mit seinen alliierten Mitspielern, ein Clan-Oberhaupt verwaltet Rechte und Pflichten der Mitglieder. Zwischen allen aktiven Clans herrscht eine simple Diplomatie: Ein Friedenspakt muss etwa einstimmig geschlossen werden, Feindseligkeiten können aber jederzeit durch eine einseitige Kriegserklärung ausbrechen. Auf diese Weise schreiben einige Kommandeure ihre eigenen Geschichten im übergeordneten Szenario.
 
Deepolis ist ein actionreiches Unterwasser-MMO, in dem sich Spieler vergleichbarer Bigpoint-Titel intuitiv zurechtfinden. Als ein temporeiches Browserspiel mit lebendiger Community weiß Deepolis besonders durch kompetitives Gameplay und die frei konfigurierbaren U-Boote zu begeistern.