Anno: Erschaffe ein Königreich Review

Ein Klassiker macht mobil: Was taugt die Anno-App? Wir haben den Test gemacht!

Anno Erschaffe Ein Koenigreich Release

Große Fußstapfen für eine kleine App

Das Wort "Anno" lässt seit vielen Jahren das Herz von Hobby-Strategen und leidenschaftlichen Wirtschafssimulanten höher schlagen. Es war Anno 1998, als der erste Teil von Blue Bytes Spiele-Serie erschien. Nach Anno 1602 folgten noch vier weitere Titel für PC, allesamt mit Jahreszahlen, die die Quersumme "9" ergeben. Mit Anno Online startete Anfang 2013 ein free-to-play Browsergame-Ableger in die Open Beta – nachdem Blue Byte (inzwischen unter dem Banner von Publisher Ubisoft) zuvor bereits Die Siedler Online erfolgreich auf dem Markt der kostenlosen Onlinegames etabliert hatte. Nun also gibt es mit Anno: Erschaffe ein Königreich auch eine mobile Auskopplung. Erst vor wenigen Tagen fiel im deutschen Appstore der Startschuss für das iPad-Spiel. Demnächst soll auch die Version fürs iPhone folgen, noch später vermutlich für Android-Geräte. Wir haben natürlich längst mit der Bebauung unserer mobilen Insel begonnen und wollen euch in unserem Test zu Anno: Erschaffe ein Königreich verraten, ob sich der Download der App lohnt und ob die Mobile-Version der großen Anno-Marke gerecht wird.

 


Stolperstein Technik – So richtig rund läuft’s noch nicht

Was uns nach der Installation und auch später, immer wenn wir die App starten, auffällt, ist die lange Ladezeit. Da ist durchaus genug Zeit, um noch mal einen neuen Pott Kaffee zu holen und halb auszutrinken. Naja, ganz so schlimm ist es nicht, aber mitunter kommen Abstürze dazu, die uns auch manchmal mitten im Spiel überraschen. Wirklich stabil läuft Anno: Erschaffe ein Königreich im Moment jedenfalls noch nicht. Einmal auf unserer Insel angekommen, fühlen wir uns direkt wie zuhause. Grafisch kann sich das Mobilegame absolut sehen lassen, wenngleich wir direkt zu Beginn ein wenig mit dem Fluchen anfangen, sobald wir Wege verlegen wollen. Die Ansicht lässt sich nämlich leider nicht drehen. Das bedeutet, dass wir schwer einsehen können, was sich hinter Gebäuden abspielt. Liegt da schon ein Feldweg oder muss da noch ein Stück hin? Schwer zu sagen mitunter, wobei uns unsere Einwohner natürlich wissen lassen, wenn ihnen eine Anbindung fehlt, ebenso wie wir Warnungen von Produktionsgebäuden bekommen, die nicht mit Markthallen verbunden sind und deren Waren entsprechend nicht abgeholt werden können. Wir sind inzwischen ein bisschen verwöhnt von all den Unity-3D-Spielen für Smartphones und Tablets, daher fällt uns dieser Aspekt besonders negativ auf. Ist aber letztlich Gewöhnungssache, nach ein paar Stunden Spielzeit stört uns die festgezurrte Perspektive nicht mehr.


Gewohntes Aufbauprinzip im Anno-Stil

Also worum geht’s überhaupt in Anno: Erschaffe ein Königreich? Der Spieltitel sagt uns ja im Prinzip schon, was zu tun ist. Ein Imperium gilt es zu errichten und das dauert natürlich seine Zeit. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut. Wir beginnen mit einer völlig unberührten Insel, wo wir in bekannter Anno-Manier erstmal ein Kontor an die Küste setzen. Damit gehört das Eiland uns und wir stürzen uns direkt in die Besiedlung der verfügbaren Fläche. Wie im Browsergame Anno Online ist die Insel auch in Anno: Erschaffe ein Königreich zunächst teilweise von Wolken verdeckt. Diese wolkenverhangenen Bereiche können wir nicht nutzen, wir müssen sie später erst erkunden.

Für den Anfang reicht aber auch die verfügbare Fläche. Wir bauen erstmal einen Marktplatz, der gesellschaftliche Dreh- und Angelpunkt unserer künftigen Stadt – einer davon jedenfalls, denn wie jeder Anno-Kenner weiß, haben diese Plätze nur einen begrenzten Radius. Daher müssen wir mehrere davon bauen, wenn wir den Häuserbau ausweiten wollen. Wenn sich Wohnhäuser nicht innerhalb dieses Radius befinden, ziehen keine Leute ein, weil sie sich einsam und ausgeschlossen fühlen so abseits des Markttreibens. Das gilt auch für alle anderen sozialen Gebäude. Für unsere ersten Siedler, einfache Bauern, brauchen wir neben dem Marktplatz noch eine Kapelle und einen Zimmermann. Erst dann sind zumindest die gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigt. Hinzu kommen grundlegende Bedürfnisse wie Essen und Trinken. Und schon kommen wir zur Warenproduktion in Anno: Erschaffe ein Königreich. Für unsere Bauern brauchen wir Fisch und Milch, also errichten wir am Wasser eine Fischerei und irgendwo auf der Wiese ein Ziegenfarm.


Guide zum Bauen, Verschieben und Abreißen


 

Außerdem müssen wir von Anfang an dafür sorgen, dass wir über einen steten Nachschub an Baumaterialen verfügen, namentlich Holz und Stein. Ansonsten können wir nämlich bald überhaupt nichts mehr tun. Ein paar Holzfällerhütten im Wald und ein Steinbruch am Gebirge schaffen Abhilfe. Nun gilt es aber, wie in allen Anno-Spielen, auch noch die Wirtschaftsbilanz im Auge zu behalten. Die Währung im Spiel sind Münzen. Die verdienen wir über Steuereinnahmen und indem wir Aufgaben erledigen. Wohnhäuser bescheren uns also Einnahmen, während alle anderen Bauten Betriebskosten verursachen. Das Ziel ist es, immer im positiven Bereich zu bleiben, also mehr einzunehmen als wir ausgeben.

 


Die große Freiheit fehlt irgendwie

Selbst für Nicht-Anno-Kenner gestaltet sich der Aufbau der Insel mit allen dazugehörigen Aspekten relativ einfach. Am Anfang stehen uns verschiedene Berater zur Seite, die uns alles genau erklären. Außerdem führen uns immer wieder neue Aufgaben, deren Erledigung mit Geld, Erfahrung und Waren belohnt werden, durch das Spiel. Wir können also gar nicht viel falsch machen. Das führt natürlich dazu, dass auch Einsteiger, die noch nie was mit der Reihe zu tun hatten, keine Probleme haben, sich einzufinden. Andererseits fühlt man sich als Anno-Fan, der am PC schon ausgiebig gesiedelt und gewirtschaftet hat, ein wenig bevormundet. Die große Freiheit, die natürlich auch mit großen Risiken einhergeht, fehlt in der App – ebenso wie im Browserspiel. Generell lässt sich festhalten, dass Anno: Erschaffe ein Königreich viel näher dran ist an Anno Online als an den PC-Titeln. Aber das liegt natürlich nicht in der Plattform begründet, sondern im Free-to-Play-Modell. Einige Mechanismen müssen anders aussehen, weil das Spiel schließlich irgendwie Geld einspielen muss. Und so kommen wir zur Premiumwährung, den Rubinen.


Money, Money, Money … ist uns egal

Mit Rubinen, von denen wir am Anfang einen Haufen geschenkt bekommen und die auch zwischendurch immer mal als Belohnung auf unser Konto wandern, können wir den gesamten Siedlungsprozess massiv vorantreiben. Im Shop gibt es alles für Rubine: Baumaterial, Münzen, Nahrung und so weiter. Wo wir als Gratis-Spieler pausieren müssen, weil unser Holz alle ist, kaufen Rubin-Besitzer einfach einen neuen Stapel und bauen munter weiter. Auch können wir den Expeditionsprozess mit Rubinen beschleunigen und vorziehen, um uns schneller auf unserer Insel auszubreiten. Daran mag sich der eine oder andere stören, uns ist das relativ egal, weil wir nicht wirklich einen Vorteil davon haben, wenn wir schneller vorankommen. Anders als in PvP-lastigen Spielen gibt es in Anno: Erschaffe ein Königreich kein Pay-to-Win, weil’s schlicht nichts zu gewinnen gibt. Der Weg ist das Ziel, heißt es so schön.

 


Wichtig zu wissen ist auch, dass das Anno-Mobilegame noch nicht "fertig" ist. Anders als bei PC-Spielen, die beim Kauf alle Features enthalten, entwickeln sich free-to-play Spiele für Mobile-Geräte oder für den Browser ständig weiter. Insofern fehlen im Moment noch einige Funktionen, die in Anno eigentlich nicht fehlen dürfen, was aber am Anfang nicht weiter schlimm ist. Beispielsweise gibt es derzeit noch keine Monumente. Die Mega-Bauten, die generell als Krönung des Städtebaus dienen, werden wohl erst deutlich später hinzukommen. In Anno Online hat es auch recht lange gedauert, bis das Momumente-Update kam. Auch PvE oder gar PvP gibt es in der App noch nicht. Zum jetzigen Zeitpunkt geht es wirklich einzig und allein darum, Siedlungen zu errichten, auf andere Inseln zu expandieren und einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf auf die Beine zu stellen.


Unser Eindruck von Anno: Erschaffe ein Königreich

Es ist immer ein schmaler Grat, wenn Spieleentwickler eine so bekannte und beliebte Marke wie Anno auf eine andere Plattform bringen und dann auch noch mit einem anderen Bezahlmodell. Die Zielgruppe ist im Mobile-Bereich eine andere, viel mehr Leute haben Zugang zum Appstore, als wenn ein Spiel "nur" für PC erscheint und erst einmal für teuer Geld gekauft werden muss. Erfahrung hat Blue Byte schon mit Die Siedler Online und Anno Online gesammelt. Die Jungs und Mädels wissen also, wie sowohl Fans als auch Einsteiger auf dies und jenes reagieren. So verwundert es nicht, dass Anno: Erschaffe ein Königreich im Grunde nichts anderes ist als Anno Online fürs iPad (später auch fürs iPhone sowie andere Tablets und Smartphones). Die Steuerung bei Berührung ist natürlich anders, aber daran sind die meisten Leute inzwischen ja gewöhnt. Wer nicht mit der falschen Erwartung herangeht, dass ihn hier ein "klassisches Anno" für iOS erwartet, wird auch nicht enttäuscht. Anno-Flair kommt durchaus auf, nur eben mit den typischen Free-to-Play-Restriktionen. Wir spielen nicht Stunden am Stück, sondern zwischendurch immer mal ein paar Minuten. Mehr ist nicht drin, es sei denn, wir sind bereit, Unsummen für Rubine auszugeben. Was uns wirklich ärgert und verwundert, ist die Instabilität der App. Nicht nur für die Appstore-Bewertungen ist es überaus schädlich, wenn ein Mobilegame oft nicht richtig startet oder mittendrin abstürzt, auch für die erwartungsfrohe Community ist das selbstverständlich ein arger Dämpfer. Das sollten die Entwickler bis zum iPhone-Release spätestens in den Griff bekommen, um die breite Masse nicht zu verprellen.


Erste Schritte in Anno: Erschaffe ein Königreich - Der Anfängerguide


 


Anno: Erschaffe ein Königreich
Pro
Wunderschöne Grafik im traditionellen Anno-Stil
Komplexe Wirtschafts- und Siedlungsmöglichkeiten

Contra
Läuft noch sehr instabil, häufige Abstürze
Viele wichtige Features fehlen noch
4 / 5