Agent Alice Review

Mit viel Tamtam hat Wooga das Krimi-Wimmelbildspiel Agent Alice an den Start geschickt. Ob’s was taugt, erfahrt ihr bei uns.

Agent Alice Teaser

Der schöne Schein trügt

Vor knapp einem Monat hat der Berliner Spieleentwickler Wooga das neue Mobilegame Agent Alice für Android und iOS veröffentlicht. Was folgte, war der erfolgreichste Launch, den das Unternehmen je verbuchen konnte – mit über drei Millionen Downloads nach wenigen Tagen. Das ist schon beeindruckend, sagt aber erst einmal nicht viel über die Qualität des Wimmelbild-Krimis aus, immerhin hat Wooga ordentlich Geld in Marketing-Maßnahmen gesteckt, um gleich zu Beginn viel Aufmerksamkeit und somit auch Downloads zu generieren.

Wir haben uns einmal in die Welt der Verbrechensbekämpfung begeben und Alice bei ihren Ermittlungsarbeiten begleitet. Dabei ist uns einmal mehr aufgefallen, dass ein schöner Schein nicht alles ist. Was wir damit meinen, verraten wir euch in unserem Agent Alice Test.

Agent Alice Episode

Wie wir das bereits aus anderen kostenlosen Spielen dieser Art kennen, zum Beispiel Criminal Case, lösen wir auch in Agent Alice verschiedene Mordfälle und andere Verbrechen, die alle im Zusammenhang zu stehen scheinen. Schnell wird klar, dass wir es nicht mit irgendwelchen 08/15-Kleinkriminellen zu tun haben, sondern sogar mit übernatürlichen Widersachern. Durch magische Spiegel sind Charaktere aus einer anderen Welt ins Hier und Jetzt gekommen, wobei es sich um Gestalten handelt, die in den Träumen der Menschen eine Rolle gespielt haben. Da wäre zum Beispiel der mythologische König Oberon, der im hiesigen Theater einen Mann umgebracht hat und eine Schauspielerin zu entführen droht. Oder der berüchtigte Dieb, der einen wertvollen Edelstein aus dem Besitz des Casino-Betreibers zu entwenden versucht. Agent Alice stellt sich ihnen furchtlos entgegen, was nun aber actionreicher klingt, als es tatsächlich ist. In gewohntem Schema durchstöbern wir in der App verschiedene Schauplätze nach Indizien. Je schneller und genauer wir dabei zu Werke gehen, desto mehr Punkte verdienen wir mit dem Wimmelbild. In jeder Szenerie können wir Sterne sammeln, die wir anschließend brauchen, um weiterführende Ermittlungen aufzunehmen. Dazu gehört beispielsweise, Personen zu befragen oder anderweitig investigativ tätig zu werden. Mitunter müssen wir auch diverse Minigames absolvieren, um voranzukommen.

Agent Alice Ermittlungen


Chronischer Energiemangel bremst uns aus

Auch in Agent Alice kostet uns jede Wimmelbild-Untersuchung Energie und zwar zehn Einheiten. Da wir maximal 75 davon zur Verfügung haben beziehungsweise sich nur so viel von alleine auflädt, ist nach ein paar Versuchen eine Zwangspause angesagt. Leider haben wir in diesem Spiel nicht die Möglichkeit, mit Freunden kostenlos Energie auszutauschen, wie etwa in Criminal Case. Wir haben also nur die Wahl stundenlang zu warten oder Geld auszugeben für neue Energie. Da wir ohne Wimmelbilder keine Sterne verdienen können, haben wir in Agent Alice nach wenigen Minuten keine andere Möglichkeit mehr als die App zu beenden und ein paar Stunden später wieder reinzuschauen. Natürlich wieder vorausgesetzt, wir wollen kein Geld im Spiel ausgeben – was wir NATÜRLICH nicht wollen.

Agent Alice Shop

Ausgebremst werden wir in Agent Alice also ziemlich hart. Wie sieht es nun mit anderen Aspekten aus, beispielsweise mit der Story? Nun ja, eine gewisse Kreativität ist Wooga nicht abzusprechen. Alles steht irgendwie miteinander in Verbindung und so ein bisschen neugierig sind wir schon, was es mit den Charakteren aus der anderen Welt jenseits der Spiegel auf sich hat. Ein großes Problem in Agent Alice sind die Dialoge. Die sind so unglaubwürdig und lächerlich, dass wir uns echt schwer damit tun, in die Story einzusteigen. Alice selbst gibt eine Capt'n-Obvious-Phrase nach der anderen von sich, darunter so tiefschürfende Erkenntnisse im Stile von "Wir müssen das verhindern!" Jo … das wäre gut. Würden wir auch gerne, aber leider haben wir gerade keine Energie mehr, um Sterne zu erspielen, um dann Minispiele zu spielen, um dann vielleicht mal den Täter zu überführen!


Schöne Bilder, wenig Anspruch

In grafischer Hinsicht kann sich Agent Alice schon sehen lassen. Es scheint so, als ob die meisten Ressourcen für das Spiel in die Optik geflossen sind – und der Rest ins Marketing-Budget. Die Wimmelbilder sind hübsch anzuschauen, wenngleich viel zu schnell zu überblicken. Wir empfinden die Suchbilder als zu leicht, gerade auch im Vergleich zu anderen Krimi-Apps dieser Art. Wir haben auch noch die Möglichkeit, uns Tipps geben zu lassen – was nicht nötig ist, aber falls wir doch mal zwei Sekunden brauchen, um einen der gesuchten Gegenstände zu entdecken, benutzen wir einfach einen Tipp und schon blinkt das Objekt der Begierde auf. Da wir regelmäßig weitere Tipps als Belohnung geschenkt bekommen, gehen sie uns nicht aus. Dadurch wird Agent Alice noch leichter.


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Aber wie gesagt, schön anzuschauen ist es allemal. Darüber hinaus erleben wir hin und wieder animierte Szenen, zum Beispiel wenn Alice und ihr zwielichtiger Kollege (und Flirt) Ben übers Dach spazieren und die taffe Ermittlerin fast abstürzt. Das lockert das Geschehen auf, wobei auch wieder der Grat sehr schmal ist zwischen Unterhaltung und Lächerlichkeit.

Agent Alice Dialoge

Vom Umfang her bietet das Spiel zu Beginn schon ausreichend Material und Fälle, um uns eine Weile zu beschäftigen. Schnell kommen wir als nicht-zahlende Spieler sowieso nicht voran, deshalb müssen wir nicht befürchten, allzu früh das Ende der Fahnenstange zu erreichen. Wooga veröffentlicht wöchentlich neue Episoden, die Wartezeiten sind also nicht gar so lang, selbst für sehr aktive Spieler.


Unser Eindruck

Der Wirbel, den Wooga um die Veröffentlichung von Agent Alice gemacht hat, ist überhaupt nicht gerechtfertigt, wenn man sich das fertige Produkt genauer ansieht. Zwar ist die Grafik gut gelungen – ein wenig altbacken, aber hübsch insgesamt –, aber das reicht nun beim besten Willen nicht, um die Spieler zu fesseln. Die Grundlagen für eine interessante Story sind vorhanden, wünschenswert wäre es aber gewesen, wenn die Dialoge mit ansatzweise so viel Detailverliebtheit gestaltet worden wären wie die Bilder. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass wir keine Wahl haben außer zu warten oder zu blechen – der Umweg über Freunde ist uns verwehrt. Das alles führt dazu, dass Agent Alice nicht einmal als durchschnittlicher Wimmelbild-Krimi zu bewerten ist, sondern sogar ein Stückchen schlechter als andere Spiele des Genres. Da der Download kostenlos ist, können wir Fans von Suchbild-Apps trotzdem empfehlen, mal reinzuschnuppern – nur eben nicht mit allzu großen Erwartungen.

Agent Alice Wimmelbilder


Agent Alice
Pro
Schöne Grafik, liebevoll gestaltete Hintergründe und Charaktere
Passende Geräuschkulisse, die zur Spannung beiträgt
Interessante Story
Contra
Ewig lange Wartezeiten
Längerer Spielspaß nur gegen Bezahlung möglich
Keine Möglichkeiten, mit Freunden zu interagieren
3 / 5